Presse
Neue Ausstellung „Weggesperrt!?“ - Geheimes Wissen und verbotene Bücher
Ausstellung in der Württembergischen Landesbibliothek
vom 23. Oktober 2026 bis 16. Januar 2027 im Ausstellungssaal
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 8-22 Uhr, Samstag 10-20 Uhr
Sonntags und an gesetzlichen Feiertagen geschlossen
Vernissage: 22. Oktober, 18 Uhr, Saal der WLB
"Wissen teilen" ist das Motto der Württembergischen Landesbibliothek. Die neue Ausstellung beleuchtet jetzt das Gegenteil und zeigt, wie Wissen ungeteilt bleibt.
Die Bestände der Landesbibliothek umfassen auch verbotene Bücher, die nicht entliehen werden dürfen. Und Dokumente, die geheimes Wissen enthalten. Mehr als 75 Exponate werden nun ausgestellt – und nicht weggesperrt. Das Spektrum reicht von Tarnschriften über die Chiffriermaschine Enigma bis hin zu verbrannten Büchern. Das älteste Exponat stammt aus dem 12. Jahrhundert und zeigt eine Geheimschrift Hildegards von Bingen. Eine digitale Übersicht aus dem 21. Jahrhundert führt die Ausmaße der Internetzensur vor Augen.
Geheimes Wissen: Wie kann Wissen geheim gehalten werden? Oder nur für einen ganz bestimmten Empfänger verständlich sein? Das Briefgeheimnis hat zum Ziel, dass die Verfasser ihr Wissen ausschließlich mit ihren Adressaten teilen. Es gibt auch ganze Gruppen, deren Mitglieder ihr Wissen nicht nach außen dringen lassen. Geheimgesellschaften wie die Illuminaten und Rosenkreuzer wecken gerade aufgrund ihrer Intransparenz Interesse und werden häufig literarisch verarbeitet. Die Ausstellung zeigt daneben zahlreiche Varianten, wie Texte getarnt und verschlüsselt werden können.
Verbotene Bücher: Die Ausstellung blickt zudem auf Fälle, in denen Dritte intervenieren. Meist sind dies übergeordnete Autoritäten. Zensur setzt schon an der Wurzel an, wenn Schreib- oder Veröffentlichungsverbote verhängt werden. Verbote einzelner Werke können vor der Veröffentlichung ausgesprochen werden (Vorzensur) oder nachträglich verhängt werden (Nachzensur). Am häufigsten wird hiervon aus politischen oder „sittlichen“ Gründen Gebrauch gemacht, abhängig vom politischen und kulturellen Umfeld. Viele der gezeigten Bände sind oder waren auch „teilweise“ verboten.
Zur Ausstellung gibt es einen Katalog, Führungen und ein Begleitprogramm.
Download Pressematerial (ZIP, 30 MB)
Neue Vortragsreihe „Die Stärke der Mitte?!“
Buchvorstellung von Prof. Dr. Jörg Baberowski (Berlin)
„Am Volk vorbei? Zur Krise der liberalen Demokratie“
15. Oktober 2026, 18:00 Uhr
Hybrid-Veranstaltung, im Saal der WLB und im Livestream
Digitaler Saal: https://bitbw.webex.com/meet/wlb
In Kooperation mit der Württembergischen Bibliotheksgesellschaft
Die politische Mitte befindet sich aktuell in einer tiefgreifenden Krise. Was zeichnet aber jene aus und was hält sie zusammen? Wie robust bzw. wie träge sind die Kräfte, die unsere Demokratie stützen? Welche Rolle spielen Werte, Bildung, Kultur sowie demographische Faktoren, wenn sich Mentalitäten und politische Lager verschieben? In 9 Vorträgen vom 15.10.2026 bis 12.5.2027 widmet sich diese Vortragsreihe den Ursachen und Dynamiken gesellschaftlicher Veränderung, fragt nach Notwendigkeiten und Wegen zur Stärkung der Demokratie und lädt zur Diskussion ein.
Jörg Baberowski unterscheidet in seinem neuesten Buch zwischen der Demokratie an sich und ihrer gegenwärtigen liberalen Form, die sich in einer tiefen Krise befindet. Der neue Autoritarismus ist eine Folge davon. Die große Stärke der Demokratie zeigt sich darin, dass sie sich nicht vor den Leidenschaften des Volkes fürchtet und den Raum des Politischen auf diese Weise verengt. Denn so beraubt sie sich ihrer Kraft. Um die Freiheit zu bewahren, ist die Souveränität über unsere Entscheidungen zurückzugewinnen, um so einer autoritären Ordnung entgegenzuwirken. Für Baberowski ist der Populismus in diesem Sinne ein Schmerzensschrei, der nach Aufmerksamkeit verlangt und damit die Demokratie belebt.
Prof. Dr. Jörg Baberowski, geboren 1961 in Radolfzell am Bodensee, ist Professor für Geschichte Osteuropas an der Humboldt-Universität Berlin. Der Historiker und Gewaltforscher ist für streitbare Thesen bekannt. Er hat zahlreiche Bücher zur Geschichte der Sowjetunion im 20. Jahrhundert und zum Stalinismus veröffentlicht. Das letzte behandelt die Krise der liberalen Demokratie. Neueste Publikationen: 2024 „Der sterbliche Gott – Macht und Herrschaft im Zarenreich“ (C. H. Beck); 2025 „Die letzte Fahrt des Zaren – Als das alte Russland unterging“ (C. H. Beck); 2026: „Am Volk vorbei? Zur Krise der liberalen Demokratie“ (C. H. Beck).
Weitere Informationen zur neuen Vortragsreihe: https://www.wlbstuttgart.de/veranstaltungen/vortragsreihen/die-staerke-der-mitte#c201
Neue Vortragsreihe „Freiheit und USA?!“
Auftaktveranstaltung mit Prof. Dr. Manfred Berg (Heidelberg)
Give Me Liberty! Freiheit als Kern der historischen Identität Amerikas
14. Oktober 2026, 18:00 Uhr
Hybrid-Veranstaltung, im Saal der WLB und im Livestream
Digitaler Saal: https://bitbw.webex.com/meet/wlb
In Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg
Die Vereinigten Staaten verstehen sich traditionell als „Land der Freiheit“. Sie bildet den tiefsten Kern der amerikanischen Identität. Was bedeutet aber jenes Versprechen – historisch, politisch und speziell heute? Aus Anlass des 250. Jahrestages der amerikanischen Unabhängigkeit sowie im Kontext der politischen Entwicklungen rund um die Midterm-Wahlen möchte diese Vortragsreihe den Fokus auf die grundlegenden historischen, gesellschaftlichen und ideologischen Zusammenhänge der Freiheit legen. Die insgesamt 6 Vorträge vom 14.10.2026 bis 10.3.2027 beleuchten diesen Kontext aus verschiedenen Perspektiven, ergänzen damit die tagesaktuelle Berichterstattung und sollen zur weiteren Diskussion anregen.
Freiheit bildet den Kern der historischen Identität Amerikas. In ihrer Nationalhymne feiern sich die Amerikaner als „Land of the Free“, im Hafen von New York heißt die Statue of Liberty die „sich nach Freiheit sehnenden Massen“ willkommen. Aber was bedeutet Freiheit eigentlich? Und wie hat sich das Freiheitsverständnis der Amerikaner historisch entwickelt und verändert? Diesen Fragen wird der Heidelberger Historiker Manfred Berg, ein ausgewiesener Kenner der US-Geschichte, in der Auftaktveranstaltung am 14. Oktober nachgehen und dabei auch die zahlreichen Widersprüche des amerikanischen Freiheitspathos nicht aussparen.
Manfred Berg ist seit 2005 Professor für Amerikanische Geschichte an der Universität Heidelberg. Zuvor war er unter anderem an der Freien Universität Berlin und am Deutschen Historischen Institut in Washington, D.C. tätig. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die afroamerikanische Bürgerrechtsbewegung, die Rassenbeziehungen in den USA, Lynchjustiz und Mobgewalt sowie die Geschichte der US-Außenpolitik und die Politikgeschichte der USA. Manfred Berg schreibt regelmäßig historische Essays für DIE ZEIT. Seit 2019 ist er Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. 2024 erschien sein vielbeachtetes Buch Das gespaltene Haus. Eine Geschichte der Vereinigten Staaten von 1950 bis heute. Im Mai 2026 ist erschienen: Amerikas Demokratie. Eine kurze Geschichte von der Unabhängigkeit bis Donald Trump.
Weitere Informationen zur neuen Vortragsreihe: https://www.wlb-stuttgart.de/veranstaltungen/vortragsreihen/freiheit-und-usa
Friedensbewegung sichtbar machen...
Die Württembergische Landesbibliothek sucht Freiwillige zur Bearbeitung von Friedensplakaten
Die Württembergische Landesbibliothek startet am 28. September 2026 ein Freiwilligenprojekt, das die Online-Erschließung von Friedensplakaten seit den 1970er Jahren zum Ziel hat. Die Plakate, die sich im Magazin der Bibliothek befinden, sollen im Internet für Interessierte zugänglich gemacht machen. Kulturelles Erbe wird so für alle sichtbar und für die Forschung nutzbar.
„Kultur ist wesentlich durch den Überlieferungswillen geprägt“, so Rupert Schaab, Direktor der Württembergischen Landesbibliothek. „Nur was für folgende Generationen aufbereitet wird, hat eine Chance, von diesen auch wahrgenommen zu werden. Insbesondere für Materialien von Protestbewegungen und Initiativen von unten fehlen etablierte Wege der Überlieferungsbildung. Mit der Sammlung Hill konnte die Württembergische Landesbibliothek ca. 66.000 Plakate solcher Initiativen aus aller Welt erwerben und hofft nun auf das Engagement vieler Freiwilliger - insbesondere auch auf das Wissen von Zeitzeugen - um diese Materialien im Internet leicht auffindbar zu machen. Wie Protest Wirksamkeit erlangt, bleibt ein wichtiges Thema. Wir freuen uns auf die Unterstützung vieler bei diesem spannenden Vorhaben.“
Die Plakatsammlung Hill ist regional und thematisch sehr vielfältig: Sie enthält Plakate aus der Studentenbewegung, der Anti-Atomkraft- und Umweltschutz-bewegung, aus der Friedens- und Frauenbewegung von den 1960er Jahren bis in die Gegenwart.
Als erstes werden die Plakate der Friedensbewegung erschlossen. Es geht darin um Friedenssicherung, Abrüstung, Kriegsdienstverweigerung oder Waffen-exporte, also Themen, die auch heute wieder an Brisanz gewonnen haben.
Die Bibliothek hat ca. 1000 Plakate digitalisiert und auf einer Online-Plattform zur Verfügung gestellt. Freiwillige können sich von jedem Ort aus beteiligen: Nach einer Registrierung erfassen sie wichtige Informationen zu den Plakaten wie Titel, Herausgeber, Ort und Jahr in einer Datenbank. Sie beschreiben die Bildmotive und schreiben den gesamten Plakattext ab. So werden die Plakate im Internet durchsuchbar und können im Bibliothekskatalog gut gefunden werden.
Die Bibliothek setzt bei der Aufbereitung der Plakate auf das Wissen von Freiwilligen, da deren Expertise über das hinausgeht, was ein kleines Team von Bibliotheksmitarbeitenden angesichts der Vielfalt des Materials beitragen könnte. Möglicherweise gibt es Freiwillige, die selbst an den Veranstaltungen oder Friedensdemonstrationen teilgenommen haben, für die die Plakate werben. Oder sie kennen den Herausgeber oder wissen, wann das Plakat entstanden ist. Diese Informationen sind wichtig für das Projekt. Die WLB hofft, dass möglichst viele ihr Wissen mit der Bibliothek und Interessierten weltweit teilen.
Aber auch wer kein Spezialwissen zu den Plakaten oder zur Friedensbewegung hat, ist im Projekt willkommen. Die Eingabemasken sind einfach auszufüllen, Kontexthilfen und Anleitungen stehen auf der Plattform zur Verfügung.
Auch Interessierte, die nur einen Blick auf die faszinierenden Plakate werfen möchten, können sich jederzeit anmelden und inspirieren lassen.
Anmeldung auf der Plattform unter https://mitmachen.wlb-stuttgart.de
Kontakt: Dr. Monika Braß, brass@wlb-stuttgart.de; Tel.: 0711-13798 541
Weitere Informationen zum Projekt unter https://www.wlb-stuttgart.de/sammlungen/sammlung-proteste
Download Pressematerial (ZIP, 20 MB)
Fotografien, Film-, Fernseh- und Tonaufnahmen aller Art in den Räumen der Bibliothek bedürfen der vorherigen schriftlichen Anmeldung und Genehmigung.
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