Musik und Theater

Profil

Die Musiksammlung ist die größte des Landes Baden-Württemberg – und zwar aufgrund der Bestandszahlen, der Bandbreite des Notenbestandes und auch im Hinblick auf die vorhandene Forschungsliteratur.

Mit einer Fülle an historischen sowie zeitgenössischen Kompositionsmanuskripten und einer großen Anzahl an Notendrucken gehört die Sammlung zu den bundesweit bedeutendsten. Die eingehenden Pflichtexemplare spiegeln überdies die württembergische Produktion von Noteneditionen, Tonträgern und Sekundärliteratur im Fachbereich Musik wider. Darüber hinaus werden die wichtigsten Notenpublikationen zur europäischen Musikgeschichte von ihren Anfängen bis in die heutige Zeit gesammelt. Im Bereich der Gesamt- und Denkmälerausgaben wird Vollständigkeit angestrebt. Die nicht-europäische Musikgeschichte ist in Auswahl vertreten.

Der historische Bestand umfasst mittelalterliche Musikhandschriften säkularisierter Klöster ebenso wie großformatige Chorbücher der ehemaligen Hofkapelle, eine der größten Gesangbuchsammlungen Deutschlands und zahlreiche Nachlässe von Komponisten und Musikern, die nicht nur für die regionale Musikgeschichte relevant sind.

Bereits im Jahr der Bibliotheksgründung 1765 bildete das musikalische Aufführungsmaterial des Hoftheaters den Grundstock der Musiksammlung. Seitdem wird es fortwährend gesammelt. Der Bestand weist nur geringfügige Lücken auf und bildet bis heute einen prominenten Teil der Sammlung. Da ein Großteil der deutschen Theaterarchive im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, kommt diesem umfangreichen Konvolut an Aufführungsdokumenten eine besondere Bedeutung zu. Neben das musikalische Aufführungsmaterial treten die Dokumente des Sprechtheaters.

Die Tanz- und Ballettsammlung erlaubt das Studium der Tanzgeschichte vom 16. Jahrhundert bis in unsere Tage. Für die frühe Zeit stehen die Hoffeste und Namen wie Cesare Negri, Fabritio Caroso und Jacomo Callot. Das 18. Jahrhundert prägen Tanztheorien und die Entwicklung von Tanzschriften, zu Papier gebracht von Raoul Auger Feuillet, Pierre Rameau und Jean-Georges Noverre. Von besonderem Wert sind die zahlreichen Ballett-Libretti aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

Salvatore Viganò und Carlo Blasis vertreten das frühe 19. Jahrhundert; das romantische Ballett mit Namen wie Théophile Gautier, Jean Coralli, der Familie Taglioni und Arthur Saint-Léon sowie der dänische Choreograph August Bournonville setzen im Weiteren Akzente. Marius Petipa und sein klassisches Repertoire leiten über zu einer neuen Ära des Balletts.

Ein großer Schwerpunkt im frühen 20. Jahrhundert liegt auf dem Wirken Serge Diaghilevs, der die St. Petersburger Ballett-Tradition nach Frankreich brachte und sie mit neuen Impulsen in der Zusammenarbeit mit führenden Künstlern, Musikern und Literaten füllte. Picasso, Braque, Gris, Bakst, Gontcharova, Larionov, Strawinsky, Pavlova, Nijinsky, Fokine und Lifar stehen stellvertretend für die künstlerische Avantgarde dieser Zeit. 

Kunst-, Gesellschafts- und Volkstanz sind in der Sammlung ebenfalls repräsentiert. Die komplette Sammlung umfasst rund 2.700 Bände, ergänzt durch Zeitschriften, Noten und Ballett-Programme.

Nutzung

Die Musikalien mit Benutzungseinschränkung können Sie im Sonderlesesaal nach Voranmeldung einsehen. Dies gilt für Notendrucke der Signaturbereiche ../102000 bis ../105000 und Titel mit Sch.-K.-M.-Signaturen sowie für Tonträger bis Jahresring 54/... und alle Schallplatten. Notendrucke der Signaturbereiche ../100000 bis ../101000 sowie Tonkassetten und CDs ab Jahresring 55/... nutzen Sie im Neubau.

In unserenDigitalen Sammlungen finden Sie einen Ausschnitt des Bestands.

Weitere Informationen finden Sie in unseremWLB-Wiki.

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Musik, Theater, Tanz und Ballett Sammlungsleitung

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Musik, Theater, Tanz und Ballett
Allgemeine Anfragen

Bestände

Als Folge der Säkularisation kam dieDeutschordensbibliothek Altshausen in königlich württembergischen Besitz. Und damit ein beachtlicher Teil der Drucke des Verlagshauses Ballard, Paris, aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. 

Hervorzuheben ist der Lully-Bestand: Die handschriftlichen Partituren und die Erstausgaben seiner Werke gehören zu den Kostbarkeiten der Sammlung.

Im Jahr 1784 erwarb Carl Eugen vom Kopenhagener Pastor Josias Lorck zahlreiche Bibeln und bibelähnliche Werke. Teil dieser Errungenschaft waren auch etliche Gesangbücher. Bereits im Jahr 1789 berichtete Wilhelm von Humboldt nach einem Besuch in Stuttgart von derGesangbuchsammlung.

Diese wurde unter anderem durch den Nachlass des württembergischen Hymnologen Christoph König im Jahr 1969 erheblich erweitert und gilt heute als eine der größten Gesangbuchsammlungen Deutschlands.

Die Schwerpunkte der Musiksammlung gehen auf den Gründer der Württembergischen Landesbibliothek, Herzog Carl Eugen von Württemberg, zurück. Vor Antritt seines Regierungsamtes im Jahr 1744 hatte der angehende Herzog Gelegenheit, am Hof Friedrichs II. von Preußen die musikalischen Strömungen und auch die Theaterkultur seiner Zeit kennenzulernen. Bereits in Stuttgart hatte er sich mit Musik beschäftigt. Nun konnte er seine Kenntnisse im Klavierspiel durch Unterricht bei Carl Philipp Emanuel Bach verfeinern und trat auch durch seine Äußerungen über Musik hervor.

Im Jahr 1750 schenkte Carl Eugen seiner Frau Friederike von Brandenburg-Bayreuth zum Geburtstag einHoftheater. Dieses Jahr markiert zugleich den Beginn der Sammlung von Opernpartituren. Als der Herzog 1765 seine Herzoglich Öffentliche Bibliothek gründete, bildeten diese Partituren, zusammen mit weiteren Musikalien für das Hoftheater, für Fest- und Tafelmusiken sowie für die Hofkapelle, den Grundstock der Musiksammlung. Dieser Bestand wächst durch die fortwährenden Ablieferungen der heutigen „Staatstheater Stuttgart“ beständig weiter.

Über die Jahre gelangten zahlreicheNachlässe und Sammlungen in die Bibliothek und prägten das Bild der Musiksammlung zum Teil entscheidend mit. So bereicherte 1876 die Sammlung Ludwig Gantter den Bestand um wertvolle englische Ausgaben an Musica practica, und im Jahr 1920 hinterließ der an der Stuttgarter Technischen Hochschule lehrende Ernst Wölffing der Bibliothek etwa 4.000 Klavierauszüge, womit die Sammlung in diesem Bereich an die Spitze der deutschen Musikbibliotheken rückte.

Kurz nach dem Einzug in den damaligen Bibliotheksneubau im Jahr 1970 und der Eröffnung eines Fachlesesaals erhielt die Musiksammlung etwa 600 Liederbücher von Karl Aichele, dem früheren Leiter der Schulmusikabteilung an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart.

Daneben dokumentieren auch viele andere musikalische Nachlässe und Sammlungen die Musikgeschichte Baden-Württembergs von der Gründungszeit der Landesbibliothek bis in das 21. Jahrhundert.

Zu denMusikhandschriften gehören nicht nur die „Stuttgarter Chorbücher“, in denen das Repertoire der Stuttgarter Hofkapelle des 16. Jahrhunderts überliefert ist, sondern auch liturgische Musikmanuskripte, größtenteils aus säkularisiertem Klosterbesitz. 

Hier sind etwa die „Lorcher Chorbücher“ zu nennen, die der Herzog im Jahr 1783 als Geschenk des Klosters Neresheim erhalten hatte.

Die Sammlung von Tanz- und Ballett-Literatur konnte im Dezember 1970 durch Vermittlung des damaligen Stuttgarter Ballett-Direktors John Cranko und des Generalintendanten der Württembergischen Staatstheater Walter Erich Schäfer aus Privatbesitz erworben werden. Die Eigentümer, das amerikanische Tänzer-Ehepaar Doris Niles und Serge Leslie, hatten seit den zwanziger Jahren Bücher zum Ballett und künstlerischen Tanz gesammelt. Aus der ursprünglichen Absicht, das körperliche Training durch die Lektüre tanztheoretischer Schriften zu ergänzen, entwickelte sich eine bibliophile Neigung, der eine der umfangreichsten Sammlungen zum Thema Tanz und Ballett ihre Entstehung verdankt.

Durch die gemeinsamen Bemühungen des Landes Baden-Württemberg, der Stadt Stuttgart und der Girokasse fanden die wertvollen Bestände ihre neue Heimat in Stuttgart, einer Stadt mit ruhmreicher Ballett-Tradition: Schon am Hofe Carl Eugens wirkte der bedeutende französische Tanzmeister und Ballett-Theoretiker Jean-Georges Noverre, die französisch-italienische Tänzerin Marie Taglioni feierte zu Beginn des 19. Jahrhunderts am Stuttgarter Theater große Triumphe und das „Stuttgarter Ballettwunder“ unter John Cranko prägte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts den Ruf der Landeshauptstadt in der internationalen Tanzszene.

Recherche

Notendrucke und Musiktonträger sind über denKatalog der WLB recherchierbar. Wählen Sie bei der Medienart „Noten“ bzw. „Tonträger“ aus. Beteiligte Personen tragen Sie im Suchfeld „Autor (Person)“ ein. 

DerK10plus-Musik-OPAC weist Musiknoten und -tonträger von Bibliotheken in Baden-Württemberg, Sachsen und dem Saarland nach. Hier kann nach Besetzung sowie nach Form und Gattung gesucht werden.

Weitere Informationen zurRecherche von Musiknoten sowie von Tonträgern.

Einen Teil der Musikalien finden Sie auch in unsererDigitalen Bibliothek. Die digitalisierten Musikalien sind auch über denKatalog recherchierbar.