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Endter-Bibeln

Die Luther-Bibeln der Druckerei Endter, Nürnberg

Von 1613 bis 1792, also beinahe 2 Jahrhunderte lang, druckte die erfolgreiche Familie Endter in Nürnberg den Text von Luthers Bibel. Heute zählen die großformatigen (Folio-) Ausgaben zu den noch am häufigsten anzutreffenden Familienbibeln aus dem 17., besonders aber aus dem 18. Jahrhundert. Die Leistungsfähigkeit und Kompetenz der Druckerei, sowie die Verkehrsgunst des Handelsplatzes Nürnberg veranlasste die sächsischen Herzöge, Ihre repräsentativen Bibel jenseits der eigenen Grenzen drucken und vertreiben zu lassen.

 

Beteiligt waren folgende Personen:

Georg Endter der Ältere (1562-1630)
Georg Endter der Jüngere (1585-1629)
  Wolfgang Endter der Ältere (1597-1659)
  Wolfgang Endter der Jüngere ( -1655)
    Wolfgang Moritz Endter
  Johann Andreas Endter der Ältere (1625-1670)
    Johann Andreas Endter der Jüngere (1653-1690)
    Georg Andreas Endter (1654-1717) oo Klara Katharina Endter ( -1727)
    Wolfgang Andreas Endter (1659-1682)
      Dorothea Maria Endter oo Dr. Friedrich Ernst Finkler ( -1704)
        Georg Ernst Finkler
  Christoph Endter (1632-1672)
    Anne-Marie Endter (1665-1679)
  Paul Endter (1639-1662)
Seit 1747: Kauf durch Paulus Mann: "Johann Andreas Endtersche Handlung"

 

Aus einschlägigen Bibliographien und Katalogen, sowie aus dem Bestand der Württembergischen Landesbibliothek lassen sich 76 Ausgaben nachweisen, die in dem Familienunternehmen gedruckt wurden.

Eine Tabelle (pdf-Datei) listet die bekannten Ausgaben und den Besitz der Bibelsammlung auf.
Darunter befinden sich insbesondere zwei Typen der Luther-Bibel, die weite Verbreitung gefunden haben.

 

1. Die Weimarer Bibel oder Das Ernestinische Bibelwerk

Der um die Bildung seiner Landeskinder sehr bemühte Herzog Ernst I., der Fromme von Sachsen-Weimar (1601-1675) gab in der Nürnberger Druckerei eine Bibelausgabe in Auftrag, zu deren Ausstattung und Kommentierung Professoren der Universität Jena beigetragen hatten. Die Herausgeber waren die Theologen Johannes Gerhard (1582-1637) und Salomon Glassius (1593-1656), später auch der Nürnberger Pfarrer Johann Michael Dilherr (s. Nr. 2.).
Kennzeichnend für die Weimarer Bibel ist die meist parenthetische Kommentierung des Bibeltextes, die in Klammern geschlossen und in kleinerer Type gehalten unmittelbar dem Bibelvers folgt. Das Textcorpus selbst ist nicht mit Bildern geziert. Hingegen sind den Weimarer Bibeln neben den üblichen Titelblättern zahlreiche erklärende Kupferstiche und inhaltsreiche Zwischentitelblätter als ganzseitige Kupfer beigegeben. Die Weimarer Bibel übernimmt die Tradition der sächsischen Herrscher, die seit der Reformation auch die Oberhäupter der jeweiligen Landeskirchen sind, sich unmittelbar nach Titelblatt und Privileg ganzseitig abbilden zu lassen und sich mit einem Lebenslauf vorzustellen. Damit wird die Bibelausgabe zugleich auch zur Ahnengalerie der Ernestinischen Linie Sachsens, die bis 1547 immerhin drei Kurfürsten gestellt hatte. Von da an waren die Ernestiner "nur noch" Herzöge. Dennoch wird die Weimarer Bibel gerne auch als Kurfürstenbibel bezeichnet. Der Erstausgabe von 1641 folgten noch weitere 13 Auflagen bis zum Jahr 1768 in immer wieder geänderter Aufmachung.

2. Die Dilherr-Bibel

Wegen des sehr hohen Aufwandes, den die Weimarer Bibel erfordert hatte, gab Wolfgang Endter der Ältere 1656 eine kleinere Variante heraus, die unter der Verantwortung des eben genannten Nürnberger Pfarrers und Rhetorikers Johann Michael Dilherr (1604-1669) stand. Die Dilherr-Bibel garantierte den Endters die größten Erfolge. Von 1656 bis 1788 erschienen mindestens 29 Auflagen. Sie bieten den reinen Text der Luther-Bibel fortlaufend, eignen sich demnach auch zum Vorlesen in Kirche und Familie und sind durch ihre in den Text eingestreuten zweispaltigen Holzschnitte Bilderbuch zugleich.

Die vierte der Dilherr-Bibeln von 1670 wird auch wegen eines Setzerfehlers oder einer absichtlichen Fälschung als Fegfeuerbibel bezeichnet.

 

 

Georg Wolfgang Panzer ergänzt in seiner

Geschichte der Nürnbergischen Ausgaben der Bibel:

Vermuthlich wollte die Endterische Buchhandlung, die stark mit Bibeln handelte, noch eine Folioausgabe haben, dergleichen man damals zum Hausgottesdienst gerne | hatte, und die wohlfeiler wäre, als die Weimarische. ... Nur dieses muß ich noch bemerken, daß weder die Holzschnitte, noch Druck, noch Papier sonderliches Lob verdienen. (s. 203f.)
Dieser Bibelausgaben bedient man sich meistens in den hiesigen Kirchen zu den öffentlichen Vorlesungen der Capitel, in den Frühmeßen, Früh und Vesper Chören. Ehehin brauchte man die Lüneburgischen [Verlag "Die Sterne"] dazu; die aber jetzt durch die Dilherrischen meistens verdrängt worden sind. (S. 205)

Wer es sich leisten wollte, nahm die Kupferstich-Lagen mit den 11 sächsischen Kurfürsten und Herzögen hinzu und hatte damit auch eine kleinere Kurfürstenbibel.

Ein sog. Frontispiz, ein den Haupttitel zierendes Bildblatt, das meist links von der Haupttitelseite eingebunden ist, kann bei einer Dilherr-Bibel oft der einzige Kupferstich - abgesehen von den Herrscher-Bildern, sein.

Ökonomisch wurde auch seitens der Druckerei vorgegangen. Man versah einzig und allein die Haupttitelseite unten mit dem Erscheinungsjahr. Alle anderen Zwischentitel blieben ohne Jahreszahl. So konnte man nicht nur diese Titelblätter weiterverwenden, wenn sie von einer früheren Auflage übrig geblieben waren. Man verfuhr auch so mit allen noch vorhandenen Bogen oder Lagen, insbesondere bei den Weimarer Bibeln mit den Kupfern.
Umgekehrt konnte es passieren, dass sich die zahlreich verwendeten Zierstücke (Initialen, Vignetten, Zierleisten. Rahmen der Textholzschnitte u.ä.), die als Holzschnitte mit dem Bleisatz zusammen gedruckt wurden, stärker abnutzten als die Bleibuchstaben und ausgetauscht werden mussten. Stand kein identisches Stück zur Verfügung, wich man auf andere Muster aus, so dass oft eine Auflage nicht in allen Exemplaren völlig identisch ist. Dies erschwert die Bestimmung von Fragmenten ungemein, da die Familienbibeln in Privatbesitz oft ihrer Titelblätter verlustig gingen.

Der Bestand an Endter-Bibeln in der Bibelsammlung der Württembergischen Landesbibliothek ist der dichteste der Welt. Die großformatigen Luther-Bibeln des Weimarer und des Dilherr-Typus sind seit 2011 vollständig vorhanden. Es kann hier am ehesten gelingen, eine fragmentarische Endter-Bibel zu identifizieren und dem tatsächlichen Erscheinungsjahr, manchesmal jedoch nur näherungsweise, zuzuordnen.

Literaturangaben

Georg Wolfgang Panzer: Geschichte der nürnbergischen Ausgaben der Bibel von Erfindung der Buchdruckerkunst an bis auf unsere Zeiten. - Nürnberg : Raspe, 1778. - 219 S.- Endter: S. 187ff.

Johann Ferdinand Roth: Geschichte des Nürnbergischen Handels : ein Versuch. - Leipzig : Adam Friedirch Böhme. Teil 1-4. - 1801-1802; besonders Teil 3. - S. 30-66.

Friedrich Oldenbourg: Die Endter, eine Nürnberger Buchhändlerfamilie (1590 - 1740). - München : Oldenbourg, 1911. - 116 S. 

Josef Benzing: Die Buchdrucker des 16. und 17. Jahrhunderts im deutschen Sprachgebiet. - 2., verb. u. erg. Aufl. - Wiesbaden : Harrassowitz, 1982. (Beiträge zum Buch- und Bibliothekswesen ; 12). - Endter: S. 365f.
 
Thomann, Günther: Nürnberger Bibeln aus reichsstädtischer Zeit : (Spätmittelalter bis Ende des 18. Jahrhunderts) ; Ausstellung der Stadtbibliothek Nürnberg von Okt. - Ende Dez. 1984. - Nürnberg : Stadtbibliothek, 1984. - [28] S. (Ausstellungskatalog der Stadtbibliothek Nürnberg ; 95) 

David L. Paisey: Deutsche Buchdrucker, Buchhändler und Verleger : 1701-1750. - Wiesbaden : Harrassowitz, 1988. (Beiträge zum Buch- und Bibliothekswesen ; 26). - Endter: S. 53.

Die beiden folgenden Arbeiten gehen ausführlich auf die wechselnde Gestaltung der Endter-Bibeln ein und nennen alle identifizierbaren Künstler (Zeichner, Kupferstecher, Holzschneider.)

Hermann Oertel: Die Frankfurter Feyerabend-Bibeln und die Nürnberger Endter-Bibeln. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg. 70.1983, S. 75-116.

Rolf-Dieter Jahn: Die Weimarer Ernestinische Kurfürstenbibel und Dilherr-Bibel des Endter-Verlags in Nürnberg : 1641-1788 ; Versuch einer vollständigen Chronologie und Bibliographie. [Köln : Privatdruck des Verfassers], 1986. - 143 S.

Eberhard Zwink

 


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