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Ulenberg-Bibel 1630

Caspar Ulenberg (1549-1617) begann 1614 auf Veranlassung des Erzbischofs Ferdinand von Köln eine Revision der bereits seit 1534 existierenden altgläubigen deutschen Bibel von Johannes Dietenberger. Beide orientieren sich gegen die protestantischen Übersetzungen an der lateinischen Vulgata. Ulenberg konnte sich auf die 1592 in Rom erschienene Revision der Vulgata stützen, die nach den beiden verantwortlichen Päpsten (Sixtus V. und Clemens VIII.) „Sixto-Clementina“ genannt wird. Ulenbergs Bibelverdeutschung ist die notwendige übersetzerische Konsequenz aus der vom Trienter Konzil angestoßenen Vulgatareform. In Köln erschienen 1630 eine Oktav- und eine Folioausgabe.

Von der Folioversion gibt es zwei Varianten:

Die heute am meisten verbreitete Version ist entweder nur mit Textholzschnitten geziert, während einige noch nachweisbare Exemplare als Illustration ausschließlich Kupferstiche vorweisen.

Folgende Bibliotheken mit Online-Katalognachweisen besitzen Ausgaben der Foliobibel von Caspar Ulenberg, Köln 1630

Bibliothek

Holzschnittversion

Kupferstichversion

Augsburg UB

1

1

Berlin SB

Kriegsverlust

Eichstätt UB

1

Frankfurt St. Georgen

3

Greifswald UB

1

Halle/Saale ULB

2

Köln Diözesan-B

2

Köln UB

1

Konstanz Suso-B

1

München BSB

Kriegsverlust

München UB

1

Münster Kapuziner-B

1

Oldenburg LB

1

Regensburg SB

1

Stuttgart WLB

1

1

Tübingen UB

1

Würzburg

z. Zt. nicht benutzbar

Privatbesitz, Antiquariate

2

Summe

19

3

Die Tendenz scheint zu sein, dass der mittel-, nord- und westdeutsche Bereich zuerst mit Holzschnittbibeln versorgt wurde, in Süddeutschland bzw. Bayern taucht auch die Kupferstichversion auf.

Die meisten Seiten sind bei beiden Versionen gleich gestaltet. Manche Seiten mussten wegen des Kupferstichs neu gesetzt werden.

Es gibt zum Druckprozess zwei Hypothesen:

1. Die Holzschnitte, die verwendet wurden, sind – zumindest im Stuttgarter Exemplar – teilweise recht schlecht und abgenutzt, so dass es denkbar ist, dass man während des Drucks die Holzschnitte entfernte und die Restauflage ohne Bilder mit leeren Flächen weiterdruckte. Denn der Tiefdruck des Kupferstichs erfordert ja eine andere Technik und damit eine andere Presse. Zwei Druckvorgänge sind dann nötig.

 

 

Holzschnittversion mit ebenfalls vom Holz gedrucktem Seitentitel
Kupferstichversion mit typographisch gedrucktem Seitentitel

2. Man hat von vornherein zwei Versionen wahlweise mit Holzschnitten oder mit Kupferstichen geplant. Einige auffällige Seiten legen es nahe, dass zunächst ohne Bilder mit leeren Flächen gedruckt wurde, dann eine größere Zahl von Exemplaren mit Holzschnitten ausgefüllt wurde, wobei auch die großen Seitentitel und die Blattzählung mit Holz gedruckt wurden. Ein kleinerer Teil der Auflage wurde, wie bereits beschreiben, in einem Tiefdruckgang vervollständigt.

Die vom Holz gedruckten Elemente sind auf dieser Seite eindeutig verschmiert, im Gegensatz zum Typendruck des Textes. Das lässt auf zwei unabhängige Druckvorgänge schließen.

Zu den Kupferstichen ist zu bemerken, dass es sich bei den meisten Bildern um Kopien der Merian-Stiche „Icones Biblicae“ von 1625 handelt.

Icones Biblicae : praecipuas Sacrae Scripturae Historias eleganter & graphicè repraesentantes = {Biblische Figuren} : darinnen die Fürnembsten Historien in Heiliger vnnd Göttlicher Schrifft begriffen / gründtlich vnd Geschichtmessig entworffen zu Nutz vnd Belustigung Gottsförchtiger vnd Kunstverständiger Personen artig vorgebildet: an Tag gegeben Durch Matthaevm Merian von Basel ; mit Versen und Reymen in dreyen Sprachen gezieret und erkläret [dur*. - Straßburg : Jn verlegung Lazari Zetzners Seligen Erben, [1625]. - 111 S., [6] Bl. : zahlr. Ill. ; 8° - Text lat., deutsch u. franz. - Erstausg. von 1625 …

Sie sind demnach von den seit 1625 kursierenden Musterbüchern in Queroktav "abgekupfert" und damit seitenverkehrt wiedergegeben worden.
Manche Kupferstiche sind - vermutlich aus theologisch-ikonographischen Gründen - den in der Holzschnittversion vorliegenden Holzschnitten nachgezeichnet. Die Holzschnittversion dürfte auch die ältere sein. 

Ferner ist zu beachten, dass die originalen Kupferplatten der Merianstiche zu gleicher Zeit in Straßburg in der Druckerei von Lazarus Zetzners Erben waren, wo die erste Luther-Bibel mit Kupferstichen Merians herauskam.

Biblia, Das ist: Die gantze Schrifft Alten und Newen Testaments / Verteutscht: Durch D. Martin Luther. Mit Vorreden ... mit ... Kupfferstücken Matthaei Merians gezieret, .... - Straßburg : In Verlegung Lazari Zetzners Seligen Erben, 1630. - [31], 345, 222, 2, [2] Bl., Bl. 3-268 [i.e. 168] : Ill. ; 2°

Eventuell muss man das Druckunternehmen in Köln als Konkurrenz zum protestantischen Vorgehen in Straßburg ansehen. Ulenberg ist 1617 gestorben und sein Übersetzungs- bzw. Revisionswerk dürfte dann auch abgeschlossen gewesen sein. Wieso hat man 13 Jahre gewartet und dann - mitten im Dreißigjährigen Krieg - das große Druckunternehmen gestartet?

Hinweise gaben der inzwischen verstorbene Vorbesitzer des o.g. Stuttgarter  Kupferstichexemplars und Herr Dr. Gerd Brinkhus, Tübingen.

Eine Nebenbemerkung:

Die Abbildung der beiden noch nackten und noch unschuldigen Paradiesesbewohner Adam und Eva wurde im Holzschnitt zu Gen 1 im Stuttgarter Exemplar von einem Vorbesitzer erfolgreich zensiert.

Dazu aus einem anderen Exemplar in Privatbesitz ein "unzensiertes" Bild:

Eberhard Zwink

06. Mai 2008

 


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