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Die sog. Fegfeuerbibel von 1670

Fegfeuer-Bibel von 1670

Die vierte Dilherr-Bibel der Druckerei Endter in Nürnberg von 1670 weist in den wenigen noch vorhandenen Exemplaren eine merkwürdige Satzvariante auf. Es heißt in dieser Lutherbibel im 23. Vers des Judasbriefes auf S. 1194:

       Etliche aber mit Forcht selig machet / und rücket sie aus dem Fegfeuer /
       und hasset den befleckten Rock deß Fleisches

Ob es sich um einen schlechten Scherz oder wirklich um ein Versehen handelt, sei dahingestellt.

Zum Vergleich: Der seitengleiche Satz aus der Endterbibel von 1664:

Johann Melchior Goeze, einer der drei großen lutherischen Bibelsammler des 18. Jahrhunderts, bemerkt dazu in seinem "Verzeichnis seiner Samlung seltener und merkwürdiger Bibeln in verschiedenen Sprachen". Bd. 2. - Hamburg 1778. - Nr. 612,  S. 98:

Diese Ausgabe hat nichts Vorzügliches. Sie wird aber merkwürdig durch eine, von einem kathol. Setzer begangene Bosheit, da er Ep. Judä v. 23. die Worte: und rücket sie aus dem Feuer, nach der Correctur also verändert hat: - - - - aus dem Fegefewer [vielmehr: Fegfeuer]. Sie ist also ein Compagnon von der, unter dem Jahre 1624 recensirten, zu Wittemberg gedruckten Bibel, in welcher ein gleichfals päpstischer Setzer an den Worten: ewig Evangelium, Offenb. 14,6. eine gleich ähnliche Bosheit durch Verwandlung des Worts: ewig, in. new, begangen hatte [Wittenberg: Zacharias Schürer, 1624. 4°; in WLB Stuttgart: Ba deutsch 1624 01].

Die Bibel selbst ist in Nürnberg noch häufig zu haben; allein da man den Betrug bald bemerket, die schon ausgegebenen Exemplare sorgfältig eingezogen, und den Bogen umgedrucket hat; so sind die Exemplare, welche das Fegefeuer noch haben, selbst in Nürnberg rar, und daselbst öfter für 25 Gulden verkauft worden. In unseren Gegenden werden sie also gewis noch weniger zu finden seyn.

Daß die Papisten beyde Bibeln [von 1624 und 1670] mit schwerem Gelde aufkaufen, und solche zur Verwirrung der Schwachen misbrauchen, ist sehr wahrscheinlich, wie mir denn selbst Exempel bekant sind, daß man solche, Reisenden, in Kloster-Bibliotheken vorgelegt hat, und wenn sie auf die Frage: ob sie das Fegefeuer glaubten? mit nein! geantwortet, ihnen den Vorwurf gemacht hat, daß sie also nicht glaubten, was doch selbst in Luthers Bibel stünde ...

Umfragen bei den besitzenden Bibliotheken, soweit sie ihre Bestände in einem elektronischen Katalog anbieten, und auch bei zwei Exemplaren in Privatbesitz haben ergeben, dass es vermutlich keine korrigierte Fassung von 1670 gibt, in welcher der Setzfehler wieder rückgängig gemacht worden wäre, wie J. M. Goeze vermutet.

Bis jetzt liegen von 12 bekannten Exemplaren 11 Aussagen vor, die alle "Fegfeuer" bescheinigen.

Eberhard Zwink 27. April 2011

 

 


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