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Ehemals Donaueschinger Handschriften

Donaueschinger Handschriften und Inkunabeln

Das Verhältnis von privatem und öffentlich-staatlichem Sammeln von Büchern artikuliert sich in besonders spannungsreicher, ja geradezu brisanter Form, wo es um das Schicksal von durch Verkauf und Zerstreuung bedrohter großer Privatbibliotheken geht. Respekt vor der Autonomie und dem Eigentums- und Verfügungssrecht des privaten Sammlers zum einen, Sicherung und Wahrung des kulturellen Erbes als politische Verpflichtung des Staats zum anderen sind gegeneinander abzuwägen, und zugleich stellt sich die Frage nach dem "Wert" eines derartigen Kulturguts und dem dafür vertretbaren und einer breiten Öffentlichkeit vermittelbaren Preis.

In den letzten Jahren und Jahrzehnten wurde die staatliche Kulturpolitik in Deutschland mehrfach mit diesem komplexen Problem konfrontiert - in Baden-Württemberg vor wenigen Jahren im Zusammenhang mit dem Verkauf der Handschriften und Inkunabeln der Fürstlich-Fürstenbergischen Hofbibliothek Donaueschingen, einem über fünf Jahrhunderte hinweg kontinuierlich zu einer der bedeutendsten Privatsammlungen Europas herangewachsenen Bestand. Der damit verbundene Zuwachs für die Württembergische Landesbibliothek setzte nebst der Erwerbung der Gutenberg-Bibel sicherlich den markantesten und spektakulärsten Akzent im Bereich der Altbestandsvermehrung während der Amtszeit von Hans-Peter Geh. Dieser hat den Gang der Verhandlungen und das Engagement der Württembergischen Landesbibliothek unter seiner Federführung in dem anläßlich der Handschriftenerwerbung präsentierten Ausstellungskatalog (s.u.) selber geschildert, so dass für Einzelheiten auf seinen Bericht verwiesen werden darf.

Als am 21. Juli 1982 in London durch das Auktionshaus Sotheby's 20 der wertvollsten Handschriften der Donaueschinger Sammlung versteigert wurden und zumeist in privaten (Streu-)Besitz übergingen, führte dies in der Folge zu intensiven Verhandlungen über einen Ankauf des kompletten Handschriftenbestands, der zunächst im Vordergrund stand, und möglicherweise auch der Bibliothek als ganzer durch das Land Baden-Württemberg. Eine Einigung konnte, nicht zuletzt wegen deutlich auseinanderklaffender Vorstellungen über den zu entrichtenden Kaufpreis, zunächst nicht erzielt werden, sondern zeichnete sich erst im Herbst 1992 ab, als bekannt wurde, dass die Handschriften nach Zürich verbracht worden waren und weitere Auktionen bei Sotheby's geplant waren. Vor dem Hintergrund der drohenden Zerstreuung des über 1300 Bände umfassenden Bestands faßte die Landesregierung am 15. Dezember 1992 den Beschluß, diese Sammlung für 48 Millionen DM für Baden-Württemberg zu erwerben. Damit war es gelungen, ein im südwestdeutschen Raum tief verwurzeltes Kulturgut für die kulturell und historisch interessierte Öffentlichkeit dieser Region als ihr Erbe zu sichern und zugleich für die Forschung, die sich seit Jahrzehnten in den verschiedensten Bereichen und auf internationalem Niveau damit beschäftigt hatte, auch in Zukunft verfügbar zu halten. Eine vielbeachtete, in mehreren großen Bibliotheken Baden-Württembergs und in der Bonner Landesvertretung gezeigte Ausstellung ausgewählter Handschriften präsentierte im Herbst 1993 und im Jahr danach den spektakulären Ankauf in der Öffentlichkeit.

In der Folge erwies sich regionalistisches Proporzdenken freilich als so stark, dass es jene Idee, die den enormen finanziellen Kraftakt des Landes inspiriert und gegen nicht unbeträchtliche Kritik auch getragen hatte, nämlich den Gedanken einer Bewahrung vor Zersplitterung und Zerstreuung, im Nachhinein in gewisser Weise konterkarierte: der Handschriftenbestand wurde auseinandergerissen und auf die beiden Landesbibliotheken in Karlsruhe und Stuttgart verteilt. In die Württembergische Landesbibliothek gelangten schließlich über 700 Handschriften, ein Zuwachs von einer Größenordnung, für die das vielstrapazierte Epitheton der "Jahrhundert-Erwerbung" für einmal wohl zu Recht herangezogen werden darf.

Eine verlässliche, wenngleich durch den Gang der Forschung naturgemäß in manchem überholte Orientierung über die Handschriften bietet der für seine Zeit vorbildliche Katalog des Donaueschinger und späteren Straßburger Bibliothekars Karl August Barack von 1865. Eine Erschließung nach modernen Kriterien und Richtlinien wird Aufgabe der Zukunft sein (für die in die Badische Landesbibliothek gelangten Handschriften ist sie mittlerweile mit Unterstützung der DFG in Angriff genommen worden), wobei der Teilbereich der Stammbücher, der hier durch ein Exponat vertreten ist, bereits für einen in Arbeit befindlichen, dieser Gattung gewidmeten Spezialkatalog erfasst worden ist. In Vorbereitung ist zudem eine Mikro-Verfichung des Gesamtbestands. Die folgende Auswahl von Exponaten dokumentiert die thematische und zeitliche Vielfalt der Sammlung.

Als im Frühjahr 1994 auch die 532 Inkunabeln der Donaueschinger Hofbibliothek zur Versteigerung kamen, erwies sich rasch, dass ein Ankauf des ganzen Bestands durch das Land finanziell nicht mehr zu leisten und politisch wohl auch nicht mehr zu vertreten war. Immerhin gelang es, aus Mitteln der Kultur-Stiftung Baden-Württemberg noch vor der Auktion eine Auswahl von ca. 90 Inkunabeln für die beiden Landesbibliotheken zu erwerben, die insbesondere in typographischer Hinsicht (Drucker und Druckorte) einen besonderen Bezug zu deren Sammelschwerpunkten aufweisen.

Literatur:

Karl August Barack: Die Handschriften der Fürstlich-Fürstenbergischen Hofbibliothek zu Donaueschingen, Tübingen 1865.

"Unberechenbare Zinsen". Bewahrtes Kulturerbe: Katalog zur Ausstellung der vom Land Baden-Württemberg erworbenen Handschriften der Fürstlich-Fürstenbergischen Hofbibliothek, hrsg. von Felix Heinzer, Stuttgart 1993.

Felix Heinzer: Die neuen Standorte der ehemals Donaueschinger Handschriftensammlung, in: Scriptorium 49 (1995), S. 312-319.

Incunabula from the Court Library at Donaueschingen sold by order of his S.H. Joachim Prince zu Fürstenberg, London 1994.

Klaus Graf: Der Tradition nicht verpflichtet. Ein Nachruf auf die Inkunabelsammlung der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek zu Donaueschingen, in: Badische Heimat 75 (1995), S. 319-331 (http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/artdok/374/).

Gregorianisches Sakramentar

Bodenseegebiet (Reichenau?), um 840-850

Cod. Don. 191

Die prachtvolle Handschrift dürfte kurz vor der Mitte des 9. Jahrhunderts im Bodenseeraum - in St. Gallen oder, wahrscheinlicher, auf der Reichenau - entstanden sein. Sie repräsentiert die auf Betreiben Karls des Großen in das Frankenreich eingeführte Fassung des römischen Sakramentars (im wesentlichen die dem Zelebranten vorbehaltenen Gebete der Messe enthaltend), die nach Papst Gregor I., dem die mittelalterliche Tradition die Urheberschaft des Buchs zuwies, als Gregorianum bezeichnet wird. Der vorzüglich erhaltene Codex ist somit ein hervorragender Zeuge der Bemühungen der karolingischen Herrscher um Normierung und Vereinheitlichung der religiösen und liturgischen Praxis in ihrem Reich durch den Import römischer Mustertexte und der Rezeption dieser karolingischen "Liturgiereform" im alemannischen Raum. Ein um die Wende vom 10. zum 11. Jahrhundert in das Sakramentar eingefügtes, in der Forschung teils der Reichenau teils der Konstanzer Dombibliothek zugewiesenes Bücherverzeichnis, verleiht der Handschrift ein zusätzliches kulturhistorisches Interesse.

Das hohe Niveau der Schrift, im Hauptteil einer karolingischen Minuskel von großer Ausgewogenheit und Schönheit, und des Buchschmucks, wo das Gold in fast verschwenderischer Fülle dominiert, macht aus der Handschrift ein hochrangiges Dokument karolingischer Buchkultur des Bodenseeraums. Inhaltliche und formale Aspekte verbinden sich hier zu einem Gesamtbild von solcher Qualität, daß die Handschrift in das Gesamtverzeichnis national wertvollen Kulturgutes aufgenommen worden ist. Diesen Ausnahmerang dokumentiert auch der speziell für die Finanzierung dieses Stücks zur Verfügung gestellte namhafte Zuschuß der Kulturstiftung der Länder und die von Herrad Spilling herausgegebene Monographie über das Sakramentar in der den Förderobjekten der Stiftung gewidmeten Reihe "Patrimonia" (Bd. 85, 1996).

Chronik der Grafen von Zimmern

Meßkirch, um 1550 und 1566

Cod. Don. 580 und 581a

Die sogenannte "Zimmerische Chronik", als deren Verfasser Graf Froben Christoph von Zimmern gelten darf, zählt sicherlich zu den herausragenden Stücken der ehemals Donaueschinger Handschriftensammlung - weniger ihres äußeren Erscheinungsbildes wegen, als vielmehr wegen ihrer textlichen Bedeutung. Sie ist nicht nur eine erstrangige Quelle für die Landes- und Reichsgeschichte des 16. Jahrhunderts und eine Fundgrube für volkskundliche sowie rechts- und sprachgeschichtliche Fragestellungen, sondern zugleich ein Monument faszinierender Erzählkunst, dessen "literarische Wunderlichkeit" sich, wie Beat Rudolf Jenny formuliert hat, bei der Lektüre als "ebenso glänzend wie schamlos dargebotenes Theatrum vitae humanae" darbietet.

Seit ihrer Wiederentdeckung durch Joseph von Laßberg zu Beginn des 19. Jahrhunderts ist die Rezeptionsgeschichte der Chronik von romantischem Enthusiasmus und fast mythischer Überhöhung begleitet. Neuere Forschung, insbesondere die Untersuchung Jennys, hat ihre historischen Hintergründe schärfer herausgearbeitet. Dies gilt nicht zuletzt für den Charakter des Werks als wachsender Text, den die Gegenüberstellung der älteren Handschrift und der erweiterten Fassung von 1566 unmittelbar verdeutlicht: Die ursprünglich als Reinschrift konzipierte Pergamenthandschrift (Cod. Don. 581) ist nach ihrer Fertigstellung, wie zahlreiche eigenhändige Korrekturen, Zusätze und Streichungen des Verfassers dokumentieren, einer intensiven Umarbeitung unterzogen worden und hat dadurch ihren repräsentativen Status zusehends verloren. Sie ist denn auch nur noch in verstümmelter Form erhalten geblieben und liegt heute wie eine steinbruchartige, freilich auch in ihrer Trümmerhaftigkeit immer noch würdevolle Ruine neben der - übrigens erneut durch Autorenzusätze ergänzten - Endredaktion.

Hans Vindler: Buch der Tugenden

Augsburg: Johann Blaubirer, 1486

Inc. 16082b (ehemals Donaueschingen, Inc. 487)

Der aus dem württembergischen Blaubeuren stammende Johannes Blaubirer (auch Plaubirer) ist in den achtziger Jahren des 15. Jahrhunderts als Drucker in Augsburg nachzuweisen. Offenbar spezialisierte er sich auf die Produktion deutschsprachiger, meist mit Holzschnitten ausgestatter Bücher, die er vermutlich selbst auf den Märkten vertrieb. Das seltene, von dem Bozener Patrizier Hans Vindler (oder Vintler) verfaßte "Buch der Tugenden", das Blaubirer 1486 herausbrachte, ein Lehrgedicht mit hochinteressanter, im vorliegenden Exemplar altkolorierter Holzschnittillustration, ist ein charakteristisches Beisipiel für Blaubirers Programm.

Der vorliegende Band zeigt auffallende Gemeinsamkeiten (gleiche Einbandstempel, gleichartige Titelaufschrift auf dem Vorderschnitt) mit zwei ebenfalls deutschsprachigen, mit qualitätvollen Federzeichnung ausgestatteten Handschriften: der heute leider verschollenen ehemaligen Donaueschinger Wigalois-Handschrift Nr. 71 und dem Stuttgarter Codex HB XIII 2. Offenbar werden hier Reste einer ehemals bedeutenden Büchersammlung aus dem südwestdeutschen Raum greifbar, die möglicherweise v.a. deutschsprachige, bebilderte Texte enthalten haben könnte.

Sammelband mit Grüninger-Inkunabeln

Metz: Caspar Hochfeder, 2. Aug. 1500; Straßburg: Johannes Grüninger, 4. und 8. Sept. 1500

Inc. 2° 7191 (ehemals Donaueschingen, Inc. 208)

Die Zusammenstellung der drei deutschsprachigen Holzschnittbücher aus dem Jahr 1500, die wohl in Heidelberg erfolgte, wie Einband und Makulatur vermuten lassen, ist sicherlich nicht zufällig, sondern spiegelt ganz bestimmte Vorlieben und Interessen: Konrad Flecks "Flore und Blanscheflur" nach der altfranzösischen Flore et Blancheflor-Dichtung, Hans von Bühels "Königstochter von Frankreich" und "Huge Scheppel", eine Übertragung der französischen Chanson de Geste Hugues Capet durch Elisabeth von Nassau-Saarbrücken kreisen alle um ein Thema: das Schicksal von Königskindern - ein Sujet, das anscheinend schon immer seine Leser gefunden hat.

Bei der Erwerbung durch die WLB standen freilich andere Aspekte im Vordergrund: In erster Linie waren es die beiden Grüninger-Inkunabeln, die das Kaufinteresse hervorriefen, bemüht sich doch die Bibliothek seit längerem, die umfangreiche Buchproduktion des aus Markgröningen stammenden Straßburger Druckers und Verlegers in möglichster Vollständigkeit zu sammeln.

Zwei Richenbach-Einbände

1470 und ca. 1475-1480

Cod. Don. 243 und Inc. 2° 6465 (ehemals Donaueschingen, Inc. 193)

Zu den interessantesten Buchbindern des 15. Jahrhunderts gehört der Geislinger Kaplan Johannes Richenbach. Er experimentierte wohl als einer der ersten mit Rollenstempeln und pflegte seine Einbände mit beweglichen Lettern zu signieren. Dieser ungewöhnliche Schriftaufdruck umfaßt in der Regel beide Buchdeckel rahmenartig: Vorne findet sich meist die Angabe von Verfasser und Werktitel, manchmal auch des Auftraggebers, hinten Richenbachs eigener Name, oft in Verbindung mit einer Datierung des Einbands (die datierten Stücke stammen aus dem Zeitraum von etwa 1467 bis 1484).

Durch die Donaueschinger Erwerbung hat sich der Richenbach-Bestand der WLB um zwei weitere Stücke, eine Handschrift und eine Inkunabel, auf nicht weniger als zehn vermehrt. Die Bibliothek besitzt damit mit Abstand den größten Teilkomplex der insgesamt noch erhaltenen ca. 50 Einbände des Geislinger Kaplans.

Die Inschrift auf dem Einband der Handschrift - übrigens die einzige in deutscher Sprache - ist besonders aufwendig. Sie lautet folgendermaßen: Das buch / ist alain / der hochborn / greffin zu helfenstain (Vorderdeckel) - Hat gemacht / ze gislingen richenbach / Da man zalt / fir war 1470 iar (Hinterdeckel). Der Schreibervermerk im Inneren der 1464 datierten Handschrift mit den "24 goldenen Harfen" Johannes Niders präzisiert, daß es sich bei der Auftraggeberin und Besitzerin um Agnes, Witwe des Grafen Friedrich I. von Helfenstein, eine geborene Weinsbergerin, handelt. Schreiber ist der Wiesensteiger Kleriker Othmar Roser, Frühmesser im benachbarten Reichenbach i.T., dem Ort, auf den der Name des Buchbinders zurückgehen dürfte. Auftraggeberin, Schreiber und Buchbinder stehen also in engstem Zusammenhang - so gesehen erscheint der Band wie ein kleines Monument der Buchkultur im Umfeld der Helfensteiner Grafen, deren wertvolle Bibliothek in Wiesensteig nach dem Aussterben des Geschlechts in Fürstenbergischen Besitz gelangte.

Der Schweinsledereinband der Inkunabel (Wilhelmus Durandus: Rationale divinorum officiorum - eine Darstellung und Interpretation der Liturgie), der zwei von Richenbachs Rollen aufweist, trägt auf dem Vorderdeckel die Titelaufschrift Racionale divinorum. Der Hinterdeckel ist ohne Inschrift, d.h. es fehlen Buchbindername und Datierung. Zu vermerken ist hingegen als zusätzliches Schmuckelement die Bemalung einzelner Lettern bzw. Zeichen des Schriftaufdrucks, ebenfalls eine Spezialität Richenbachs.

Stammbuch Daniel Prasch

1583-1629

Cod. Don. 898

Dieses frühe Beispiel eines aus losen Blättern bestehenden Albums enthält nebst genealogischen Aufzeichnungen und anderem Sammelgut 187 Einträge für den aus Hallein stammenden Daniel Prasch (1561-1630), der als Präzeptor an der 1531 errichteten städtischen Lateinschule des Gymnasiums bei St. Anna in Augsburg nachgewiesen ist. Die Stammbucheinträge stammen aus den Jahren 1583-1629 und sind vielfach mit qualitätvollen Wappen- und Miniaturenbeigaben versehen.

Mit insgesamt 19 Alben aus der Fürstenbergischen Bibliothek, davon allein 11 aus dem 16. Jahrhundert, erhielt die umfangreiche Stammbuchsammlung der Württembergischen Landesbibliothek wertvollen Zuwachs.

Lautentabulatur

um 1580-1595

Cod. Don. G I 4

Diese bisher von der Forschung kaum beachtete, dreibändige Tabulatur für sechs- teilweise auch sieben- und achtchörige Laute enthält überwiegend Tänze und Liedsätze weltlichen wie geistlichen Charakters, wobei nebst anonymen Stücken auch für die Laute eingerichtete - intavolierte - Werke so bekannter Komponisten wie Giovanni Palestrina, Orazio Vecchi und Orlando di Lasso begegnen. Vor allem Lasso ist besonders stark vertreten.

Möglicherweise gehört die Handschrift in den Kontext der hochstehenden Musikpflege am Fürstenbergischen Hof unter Graf Heinrich VIII. (gest. 1596). Dieser verfügte offenbar über eine eigene leistungsfähige Vokalkapelle und stand in Verbindung mit dem am bayerischen Hof tätigen Orlando di Lasso. Mehrere gedruckte Tabulaturen aus dieser Zeit belegen überdies, daß sich das Lautenspiel unter Heinrich einer beachtlichen Beliebtheit erfreute. Die als Autoren zahlreicher Intavolierungen genannten Doctores (?) I.G. Brencker und Hieronymus Faber können einstweilen nicht mit Sicherheit identifiziert werden, es sei denn, letzterer wäre mit dem gleichnamigen Leibarzt des bayerischen Herzogs Wilhelm gleichzusetzen, was erneut in die unmittelbare Umgebung Lassos weisen würde.

Joseph Rehmann: Reise in die Mongolei

1806-1810

Cod. Don. C I 12

Im Frühling 1805 machte sich eine Gesandtschaft des russischen Zaren Alexander I. nach China auf, um die diplomatischen und wirtschaftspolitischen Verbindungen mit dem asiatischen Großreich zu vertiefen. Sie wurde allerdings im Spätherbst 1806 in Urgha in der nördlichen Mongolei zur Umkehr gezwungen, ohne ihr Ziel zu erreichen.

Gesandtschaftsarzt war der aus Saulgau gebürtige Joseph Rehmann, Sohn eines Fürstlich-Fürstenbergischen Leibarztes, der nach seinem Studium in Wien im Dienst des russischen Gesandten am Habsburger Hof, des mit Haydn, Mozart und Beethoven befreundeten Grafen Razumovsky, nach St. Petersburg gekommen war. Rehmann starb 1831 als kaiserlicher Leibarzt in St. Petersburg an der Cholera. In seinem Nachlaß, der später nach Donaueschingen gelangte, hat sich sich ein eigenhändiger Reisebericht erhalten. Von besonderem Wert ist eine dazugehörige Mappe von 64 Aquarellen mit Landschaftsbildern, teilweise auch mit Darstellungen medizinischer und physiognomischer Beobachtungen sowie der Sachkultur der Burjaten und Mongolen. Die geplante Publikation in Form eines in Kupfer gestochenen Tafelwerks konnte offenbar nicht realisiert werden. Die vermutlich auf Skizzen Rehmanns und seiner Reisegefährten zurückgehenden Blätter sind von großem völkerkundlichem Interesse und zugleich von hohem ästhetischem Reiz.

Felix Heinzer

(Aus: Zukunft braucht Herkunft. Bedeutsame Erwerbungen der Württembergischen Landesbibliothek seit 1970 ; eine Ausstellung der Württembergischen Landesbibliothek aus Anlaß der Verabschiedung von Dr. Hans- Peter Geh vom 20. Februar bis 12. April 1997, hrsg. von Wulf D. von Lucius, Stuttgart 1997, S. 31-33; hier mit kleinen Ergänzungen und Aktualisierungen)

 


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