Chronik des Seekrieges
Miszellen
03. 29.03.1944
Südpazifik
… Von den jap. U-Booten greift I-27 (Kptlt. Fukumura) am 12.2. im Anderthalbkanal (Malediven) den brit. Konvoi KR.8 mit 5 Truppentransportern, gesichert von dem Kreuzer Hawkins, der Korvette Honesty und den Sloops Lulworth und Sennen, auf dem Weg von Kilinidini nach Colombo (Burma) an und versenkt den Transporter Khedive Ismail (7513 BRT) mit über 1000 brit. Soldaten an Bord. Im Gegenangriff wird I-27, das zwischen den umher schwimmenden Schiffbrüchige Deckung sucht, nach 2½-stündigem Artilleriegefecht von den zur Ablösung anlaufenden Zerstörern Petard und Paladin versenkt. Nur 200 Schiffbrüchige des versenkten Transporters überleben.

Sander Kingsepp schreibt :
empresa88(at)solo.delfi.ee

Dieser Eintrag enthält eine Reihe von schlimmen Irrtümern, angefangen mit der Hafenstadt Colombo, die sich bestimmt nicht in Burma befindet.
Es sieht fast so aus, als sei hier Nicholas Montserrats "The Cruel Sea" als Hauptquelle benutzt. Jedenfalls wäre ich selbst sehr in Ihren Quellen zu diesem Desaster interessiert.
Eine weitaus bessere Quelle zum Verlust des Khedive Ismail stellt der Tatsachenbericht "Passage to Destiny. The Sinking of the S.S. Khedive Ismail in the Sea War Against Japan" von Brian James Crabb (Paul Watkins, Stamford, 1997) dar. Dasselbe Buch enthält auch die meisten Berichte der britischen Admiralität, die sich mit dem Angriff beschäftigen (viele davon noch 40 Jahre nach dem Kriegsende als "geheim" eingestuft), so z.B. die Tracking Charts von HMS Petard und Paladin, Auszüge aus ihren Signalbüchern an diesem Tag usw.

Der Angriff fand etwa 60 Meilen südwestlich vom Anderthalbkanal statt (00.57N/72.16E). Zu dieser Zeit hatten Honesty, Lulworth und Sennen den Konvoi schon verlassen und Petard und Paladin die Deckung übernommen (Crabb, S.29, 57). Die Behauptung, I-27 hätte "zwischen den umher schwimmenden Schiffbrüchigen" Deckung gesucht, stimmt übrigens nicht, denn das U-Boot ist erst 16h20 (Lokalzeit), also eine Stunde und 47 Minuten nach der Versenkung von Khedive Ismail aufgetaucht, also konnte es sich kaum zwischen den Schiffbrüchigen befinden.
Manche Autoren haben dagegen behauptet, I-27 hätte unter den schwimmenden Schiffbrüchigen Deckung gesucht. In der Tat hat HMS Petard um 15.00 der Paladin signalisiert: "Submarine is under survivors" (Ebenda, S. 63, 141). Petard hat danach in drei Anläufen 24 Wabos mitten unter die Schiffbrüchigen geworfen, obwohl Paladin zur selben Zeit dasselbe Boot in ganz anderer Umgebung ausgemacht und angegriffen hat (Ebenda, S.62). Tatsächlich ist das betreffende U-Boot danach in der Nähe von Paladin, nicht von Petard aufgetaucht (S. 67-68).
Wie das japanische U-Boot es geschafft haben soll, selbst in Unterwasserlage die exakte Position der umherschwimmenden Menschen zu bestimmen, kann ich leider nicht sagen. Wie der Untergang von Ehime Maru durch den Zusammenstoß mit dem amerikanischen USS Greeneville vor drei Jahren bewiesen hat, verfügen selbst die modernen nuklearen U-Boote über solche Technik noch nicht.
Auch der Schlußbericht der britischen Untersuchungskommission von 19. Februar 1944 (Ebenda, S. 94-96) enthält keine Beweise, dass das japanische U-Boot während seiner Verfolgung "zwischen (oder unter - SK) den umher schwimmenden Schiffbrüchigen Deckung" gesucht hätte.
Crabb versucht übrigens das Verhalten des Kapitäns von Petard zu verteidigen, wenn er behauptet "This tactical ploy was not uncommon" (S.63) - bekanntlich hatte die Petard vorher ein deutsches und ein italienisches U-Boot versenkt. Dazu noch zwei Kommentare von Seite 64:
"Although it is almost certain that some of the swimmers were killed by Egan's (der Kapitän von Petard--SK) offensive against the submarine, it must be remembered that many more would have been killed if the enemy had managed to fire another torpedo on a ship of the convoy. It could also be argued, although it was not the result of a conscious policy, that the constant detonations, which continued for approximately forty minutes, almost certainly saved some of the survivors from being attacked by sharks."

Auch die Versenkung von I-27 ging etwas anders vor, als es in Ihrem Eintrag geschildert ist. Nachdem das U-Boot aufgetaucht war, erhielt es mehrere Artillerietreffer und wurde von der Paladin gerammt, die aber dabei selbst schwer beschädigt wurde. Danach feuerte die Petard sieben Torpedos nacheinander auf das U-Boot, bevor es endlich getroffen wurde und um 17.23 auseinanderbrach. Von einem "2½-stündigen Artilleriegefecht" kann also keine Rede sein, denn das Boot war erst vor einer Stunde und drei Minuten aufgetaucht.
Streng genommen waren es keine britische Soldaten (aus Metropole, meine ich) an Bord der Khedive Ismail, sondern 996 Artilleriesoldaten des 301st Field Regiment, East Afrikan Artillery (ehemaliger 1st Regiment aus Kenia), die an dem bevorstehenden Großangriff in Burma teilnehmen sollten. 196 von denen wurden gerettet (Ebenda, S.78).
Alles in allem gab es 1297 Opfer; 214 Schiffbrüchige wurden gerettet (aaO, dazu Listen mit allen Namen S.114-132). Unter der Opfern befanden sich 77 weibliche Angehörigen der Women's Royal Naval Service und Women's Territorial Service, also wurde der Verlust der Khedive Ismail auch als "the largest loss of Allied servicewomen in a single incident" bezeichnet (Ebenda, S.77).

Quellen:
Nippon Sensuikan Senshi von Jirô Kimata (weiterhin als Kimata I bezeichnet).
Sensuikan Kôgeki (Kôjinsha NF Bunko, 2000, weiterhin als Kimata II)
Nippon Kaigun Sensuikan-shi von Sakamoto Kaneyoshi (Nippon Kaigun Sensuikan-shi Kankô-kai, 1979, weiterhin als Sakamoto)