Jahresberichte
2008 2007 2006 2005 2004 2003 2002 2001 2000 1999-93
2008
Die Württembergische Landesbibliothek und mit ihr die Musiksammlung erhielten in diesem Jahr eine neue Homepage. Diese zeichnet sich nicht nur durch ein moderneres Design aus, sondern bietet auch in der Navigation größeren Komfort und eine übersichtliche Struktur. Die Seiten der Musiksammlung wurden gründlich revidiert, einige neue Seiten wurden ergänzt. Als besondere Erweiterung finden sich nun auf den Seiten der virtuellen Fachbibliothek "Regionalforschung" ein Veranstaltungskalender sowie ein kommentiertes Autorenverzeichnis.
Als Teil der Ausstellung Hölderlin - Entdeckungen. Texte Klänge Bilder, die vom 3. Juli bis 20. September 2008 im Buchmuseum gezeigt wurde, war die Musiksammlung mit zahlreichen Exponaten präsent. Unter der Rubrik "Hölderlin und seine Komponisten" wurde die wechselhafte Rezeption der Werke des Tübinger Dichters im Werkschaffen der Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts thematisiert. Zur Ausstellung erschien ein Begleitbuch Hölderlin - Entdeckungen: Studien zur Rezeption, hrsg. von Ute Oelmann, mit Beiträgen von Jörg Ennen, Manfred Koch, Reiner Nägele, Ute Oelmann, Luigi Reitani, Vera Trost, Melanie Weidemüller, Barbara Wiedemann, Gregor Wittkop.
148 Seiten, zahlreiche Abbildungen, 14,50 €.
Im Bereich der Bestandserschließung erfolgte die Redaktion des zweiten Bandes zum Nachlass von Helmut Bornefeld sowie die Vorbereitung zur Drucklegung der Arbeit von Jörg Martin im Wißner-Verlag, Augsburg.
Als Abschluß des DFG-Projekts Musik und Bühne am Stuttgarter Hoftheater im 19. Jahrhunderts konfigurierten die IT-Abteilung unseres Hauses gemeinsam mit den Projektbeteiligten der Universität Heidelberg und der Musiksammlung eine umfassende Datenbank zu den „Erstaufführungen am Stuttgarter Hoftheater im 19. Jahrhundert“ (Datenbank). Erfasst ist der Zeitraum vom 27. Mai 1807 bis zum 30. Dezember 1899. Hauptquelle für die Angaben sind die Theaterzettelsammlung sowie die Musikalien und Textbücher für das Stuttgarter Hoftheater in der Württembergischen Landesbibliothek.
An außergewöhnlichen Neuerwerbungen sind zu nennen:
- Niccolò Jommelli: La Passione di Nostro Signore Giesu Cristo. Oratorio [...] Poesia del Signor Metastasio. London: R. Bremner {1770]. 127 pp. full score, folio.
- Eine Mappe mit zahlreichen Zeichnungen von August Halm. Halm war der bedeutendste Musiklehrer der musikalischen Jugendbewegung. Die Landesbibliothek ist im Besitz eines großen Teils seines Nachlasses.
- Karl Marx: Eigenhändiges Musik-Manuskript mit Signatur sowie nachträglicher Widmung, Datum und Unterschrift. Stuttgart 1963. Partitur-Reinschrift von "Auftrag und Besinnung". Kantate nach Worten verschiedener Dichter, mit abschließnder Vorbemerkung des Komponisten.
2007
Im Februar fand in den Räumen der Bibliothek eine Festveranstaltung statt, mit Buch- und Nachlasspräsentation sowie einem Vortrag über Leben und Werk des Heidenheimer Komponisten Helmut Bornefeld. Vortragender war Dr. Michael Kaufmann (Trossingen), ein Grußwort sprach Prof. Dr. Klaus Aringer (Graz), Mitherausgeber der Reihe „Nachlässe in baden-württembergischen Bibliotheken und Archiven“. Als deren erster Band erschien im Oktober 2006: Der Komponist Helmut Bornefeld (1906–1990) – Verzeichnis seines Nachlasses in der Württembergischen Landesbibliothek.
Von Anfang März des Jahres bis Ende Februar 2008 zeigte die Musikhochschule Stuttgart die Mozartausstellung der Württembergischen Landesbibliothek: „Moser nennt er sich…“ Württembergische Näherungen zu Mozart.
Die Datenbank „Musik- und Musikerhandschriften“ wurde freigeschaltet. Damit sind erstmals alle musikalisch und musikgeschichtlich relevanten handschriftlichen Quellen – Notenmanuskripte, Musikerbriefe, Stammbucheinträge und sämtliche Notendrucke mit handschriftlichen Eintragungen - die in der Württembergischen Landesbibliothek verwahrt werden, in einer Recherche-Datenbank erfasst.
Einer Führung durch unsere Musiksammlung stand auch in diesem Jahr wieder auf dem Veranstaltungsprogramm des "Freundeskreises Musik aus Dresden" .
An interessanten, ausgewählten Neuerwerbungen sind zu verzeichnen:
- Ein handschriftlicher Brief von Karl Aichele (1890-1980) an seinen Nachfolger in der der Leitung der Schulmusik-Abteilung an der Musikhochschule in Stuttgart, den Musikpädagogen Bernhard Binkowski (1912-2002);
- ein eigenhändiger Brief von Ignaz Moscheles (1794-1870) vom August 1868,
- ein Musikmanuskript des Stuttgarter Hofkapellmeisters Friedrich Wilhelm Kücken (1810-1823): „Was schau ich in die Fernen“. Text von Ed. Hobein. Gesang für vier Männerstimmen oder Chor aus der Fest-Polonaise. Op. 72. Partitur (ca. 1861);
- der Nachlass des Komponisten Eberhard Jörg (Verzeichnis; Pdf);
- ein Album mit 36 aquarellierten Original-Tusche-Zeichnungen (Karikaturen zur Spielzeit 1922/23 des Stuttgarter Landestheaters)
- sowie weitere Briefe von Johannes Brahms, Wilhelm Kempff, Ferdinand Leitner, F. W. Kücken.
2006
Nach langwierigen redaktionellen Arbeiten wurde im Sommer dieses Jahres der Besetzungskatalog für den Bestand an gedruckten Noten freigeschaltet. Als sog. " DigiSykMusik" ist er zwar Teil des DigiSyk der WLB (mit der Notation NJ-NL), auf der Homepage der WLB ist er allerdings nicht als dessen Bestandteil verlinkt, sondern als "Sonderkatalog" ausgewiesen. Ebenso konnte zum Jahresende auch der Standortkatalog Musik redaktionell überarbeitet ins Internet gestellt werden. Damit ist nun der gesamte Präsenzbestand des Musiklesesaals zuverlässig online recherchierbar.
Im Sommer des Jahres erfolgte die Edition des ersten Katalogbandes zur Erschliessung des umfangreichen Nachlasses von "Helmut Bornefeld" im Wißner-Verlag (Augsburg). Seit Januar 2003 wird der umfangreiche Nachlass des Heidenheimer Organisten und Komponisten von Dr. Jörg Martin wissenschaftlich katalogisiert. Das Buch erscheint als erster Band der neuen Reihe "Musikernachlässe in baden-württembergischen Bibliotheken und Archiven". Als Herausgeber der Reihe zeichnen Prof. Dr. Klaus Aringer (Musikhochschule Graz) und Dr. Reiner Nägele verantwortlich. Jörg Martin legt mit diesem auf zwei Bände geplanten Katalog eine umfassende Bestandsaufnahme der öffentlich zugänglichen Quellen zu Leben und Werk dieses Komponisten vor, soweit diese Archivalien als Teil des Nachlasses in der Württembergischen Landesbibliothek verwahrt werden. Die Drucklegung des ersten Bandes ermöglichte die Stiftung Musikforschung in Baden-Württemberg.
Nach fast 100 Jahren unkatalogisierter Nutzung wurden endlich die sog. " Theaterzettel" formal katalogisiert. Sie sind somit im Online-Katalog nachgewiesen und recherchierbar. Es handelt sich hierbei um die bedeutende Sammlung an Programmzetteln des Stuttgarter Hoftheaters und seiner Nachfolgeinstitutionen der Jahre 1804/07-1999 aus aller Sparten (Schauspiel, Oper, Ballett und Konzert).
Neu eingerichtete Register zu den katalogisierten und unkatalogisierten handschriftlichen Musikalien (Signaturgruppe: HB XVII) im Internet ermöglichen es künftig, das gesamte historische Aufführungsmaterial an Musiknoten des ehemaligen Hoftheaters und seiner Nachfolgeinstitutionen, soweit dies Eigentum der WLB ist, in Form von Kurztitellisten über die Homepage der Musiksammlung zu recherchieren . Diese Register umfassen die in den beiden Katalogen von Clytus Gottwald verzeichneten Musikalien sowie den noch unkatalogisierten Bestand.
Im Juli wurde die Ausstellung "Moser nennt er sich… Württembergische Näherungen zu Mozart" eröffnet, in Kooperation mit der Stuttgarter "Mozart-Gesellschaft". Ausgehend vom Kurzaufenthalt des siebenjährigen Mozart am württembergischen Hof in Ludwigsburg thematisierte die Ausstellung die kreative Auseinandersetzung hiesiger Persönlichkeiten mit dem Werk und der Biographie des Komponisten aus über 200 Jahren regionaler Kulturgeschichte. Das Urteil der "Stuttgarter Zeitung" v. 12. Juli: "... In Autografen, Partiturabschriften, Briefen und Aufführungsmaterialen dokumentiert die klug konzipierte Ausstellung den Stuttgarter Beitrag zum allgemeinen Mozartbild." Den musikalischen Rahmung der Vernissage gestaltete das "Jommelli-Quartett", allesamt Mitglieder des Stuttgarter Staatsorchesters. Zur Ausstellung erschien ein umfassendes Begleitbuch .
Am 19. Juli fand begleitend zur Ausstellung ein Orchesterkonzert mit Lesung unter Leitung von Prof. Helmut Wolf im Weissen Saal des Neuen Schlosses statt, bei dem Werke von Jommelli, Nardini und Mozart erklangen. Das Thema des Abends lautete: "Das Stuttgarter Kulturleben zwischen 1750 und 1800". Weiterer Höhepunkt der begleitenden Veranstaltungen war ein Vortrag von Dr. Martina Rebmann (Karlsruhe) am 25. Juli in der Württembergischen Landesbibliothek zum Thema: "Ich sprach Mozarts Namen aus ..." - Ernst Friedrich Kauffmann (1803-1856) und die Mozartbegeisterung im Freundeskreis Eduard Mörikes".
Die Musiksammlung präsentierte sich in diesem Jahr ebenfalls auf der Landesgartenschau in Heidenheim. In einem Vortrag unter dem Titel "Die Musiksammlung der WLB im digitalen Zeitalter" konnte die eindrucksvolle Sammlung nicht nur in ihrer archivalischen Bedeutung vorgestellt werden, sondern ebenso als modernes Informationszentrum für das regionale Musikleben und die Musikforschung des Landes.
Ein großes Ereignis war die diesjährige Tagung der "Internationalen Vereinigung der Musikbibliotheken, Musikarchive und Dokumentationszentren (Gruppe Bundesrepublik Deutschland" (AIBM), die Ende September in Stuttgart stattfand. Der Arbeitsbereich "Musik" der Landesbibliothek war aktiv an der Planung und Ausrichtung der Veranstaltung beteiligt. Während der Tagung gab es einen Vortrag des Leiters der Musiksammlung und mehrere Führungen in die musikhistorische Schatzkammer der WLB. Rechtzeitig zur Tagung wurde auch neues "Musik"-Infomaterial erarbeitet, so die Flyer "Wie finde ich Musik"; "DigiKat Musik" und "DigiSykMusik".
Gast der Musiksammlung war, wie schon im Vorjahr, der "Freundeskreis Musik aus Dresden".
An herausragenden Erwerbungen in diesem Jahr sind zunächst zwei Nachlässe zu nennen:
1. Wilhelm Kempff (1895-1991), Pianist und Komponist, der 1924-29 die Württembergische Hochschule für Musik in Stuttgart leitete. Der Nachlass - Noten, Fotografien, ein Zeugnis - wurde im Sommer 2006 der Württembergischen Landesbibliothek übergeben. Er stammt aus dem Besitz von Charlotte (Albertine Johanna) Poerschke, geboren am 3. März 1902 in Stuttgart, gest. 1988 daselbst, einer Schülerin von Kempff aus seiner Stuttgarter Zeit. Die Noten und Fotografien sind, von einer Aufnahme abgesehen, mit handschriftlichen Widmungen an sie versehen.
2. Der musikalische Nachlass des Stuttgarter Komponisten Paul Gross (1898-1985).
Ebenso wurde ein Brief von J. N. David an Ernst Wilhelm Schmitt Stuttgart 17.3.1953 erworben sowie eine sehr seltene Partiturausgabe der Recueil d'air nouveaux (Paris um 1770), von der RISM kein Exemplar nachweist. Der Band enthält Kompositionen von Kauffmann, Rodolphe, Deller und Granier. Umfangreiche Ablieferungen an musikalischem Aufführungsmaterial des Hoftheaters und seiner Nachfolgeinstitutionen erweiterten auch in diesem Jahr unsere Sammlung wieder in erfreulicher Weise.
2005
Die WLB verfügt bundesweit über einen in seiner Geschlossenheit einmaligen Bestand als Dokument höfischer Theaterkultur; dies ergab eine Umfrage an 44 bundesrepublikanischen Bibliotheken. Ein vergleichbarer Bestand existiert nur noch in der Landesbibliothek Coburg. Teil dieser Sammlung ist ein Konvolut von Programmzetteln der an den württembergischen Hoftheatern sowie den Landes- und Staatstheatern aufgeführten Bühnen- und Konzertwerke (Musiktheater, Sprechstücke, Ballett, Orchesterkonzerte). Der Bestand dokumentiert die Aufführungen der Jahre 1807-1999 vollständig. Das Material besteht aus (gezählt!) 130 001 gedruckten Einzelblättern, die größtenteils jahrgangsweise geheftet sind. Da zwischen der Mitte des 19. Jahrhunderts bis etwa 1980 auf minderwertiges Papier gedruckt wurde, sind die Einzelblätter zum Teil bereits stark angegriffen oder zeigen auffällig säurebedingte Veränderungen. In diesem Jahr nun gab die Landesarchivdirektion (LAD) dem Antrag der WLB für eine Verfilmung der "Theaterzettel" statt und bewilligte ausreichend finanzielle Mittel für das Gesamtprojekt.
Das Stuttgarter Hoftheater war im 19. Jahrhundert mit einem außerordentlich umfangreichen Spielplan und einem großen Etat für musikalische Belange eines der bedeutendsten Theater im deutschsprachigen Raum. Aufgrund seiner ungewöhnlichen Materiallage bietet es für musik- und theaterpraktische Forschungen einen idealen Ausgangspunkt, der bisher sowohl in den Musik-, Literatur- oder auch Theaterwissenschaften als solcher nicht wahrgenommen wurde. So befindet sich in der Landesbibliothek eine höchst umfangreiche Textbuch- und Librettosammlung, die fast vollständig aus dem originalen Bestand des Hoftheaters stammt, die in ihr enthaltenen Texte sind deshalb mit vielen authentischen aufführungspraktischen Hinweisen versehen. Das Projekt "Die Libretti des Stuttgarter Hoftheaters" wird gefördert von der Landesstiftung Baden-Württemberg (Eliteförderprogramm für Postdoktorandinnen und Postdoktoranden der Landesstiftung Baden-Württemberg) und ist auf zwei Jahre angelegt (Oktober 2005 - September 2007). Projektleiterin ist Dr. Antje Tumat, wissenschaftliche Mitarbeiterin Caren Benischek M.A., und wissenschaftliche Hilfskraft Anika Forkert, alle Musikwissenschaftliches Seminar an der Universität Heidelberg.
An zwei herausragenden Produktionen des deutschen Musiktheaters war die Musiksammlung aktiv beteiligt, bei "Doktor Faust" von Feruccio Busoni (Premiere 7. Mai 2005 in der Staatsoper Stuttgart) und bei Peter Lindpaintners "Der Vampyr" in einer Inszenierung der "opernbühne e.V." Bad Aibling (Premiere 1. Juni 2005 in der Reithalle bei Schloss Maxlrain). Die Aufführung der "Vampyr"-Oper war die erste Aufführung des einstigen Erfolgsstückes nach über 150 Jahren. Das eigens angefertigte Notenmaterial basierte auf den Partituren aus der Bayerischen Staatsbibliothek und der WLB.
Anfang Februar fand die Vernissage der Ausstellung "klangwelten : lebenswelten" statt; diese war gemeinsam von den Musikreferaten der BLB Karlsruhe und der WLB Stuttgart erarbeitet und zunächst in Karlsruhe gezeigt worden. Zur Eröffnung sang Lydia Teuscher (Sopran), begleitet von Juliane Ruf (Klavier), Lieder von Emilie Zumsteeg, Josephine Lang, Pauline Viardot-Garcia und Luise Adolpha Le Beau. Nach Ende der Ausstellung in der WLB wurde diese auf Wunsch der Stuttgarter Musikhochschule im Rahmen des vielbeachteten "Diva"-Kongresses als weitere Station erneut eröffnet. Ausstellung und Begleitbuch fanden sehr große Ressonanz (s. den Pressespiegel). Auch die Ausstellung "GeistesSpuren" zu Ehren Friedrich Schillers (Vernissage 12. April 2005), bereicherte die Musiksammlung mit einer eigenen Abteilung zum Thema "Schiller, Stuttgart und die Musik".
Gast der Musiksammlung war der "Freundeskreis Musik aus Dresden".
Erwerbung (Besonderheiten):
- Ergänzung des Nachlasses von Helmut Bornefeld (umfangreiche Orgelakten und Tondokumente).
- Ergänzung Nachlass Willy Fröhlich (1894-1978)
- Übernahme des musikalischen Nachlasses Paul Haegele (1894-1977)
- Brief von Wilhelm Wenzel Steinhart (1819-1899), Stuttgarter Musikdirektor und Komponist.
- Antiquarischer Noten, gedruckt und handschriftlich, teilweise mit Bezug zu Württemberg, aus der Zeit von 1798-1870.
- Zwei Partitur-Abschriften von Niccolò Jommelli (1714-1774) aus dem 18. Jahrhundert, Enea nell'Lazio und La Schiava Liberata.
2004
Seit Februar 2004 sind nun online und in digitalisierter Form sämtliche gedruckten Noten der Musiksammlung über das Internet recherchierbar. Die Digitalisierung des Besetzungskataloges erfolgte ebenfalls in diesem Jahr, die Freischaltung ist auf Mitte kommenden Jahres projektiert. Auch der Katalog des Musiklesesaals ist mit all seinen Freihand aufgestellten Büchern und Notenausgaben seit Ende des Jahres online.
Der Autor, Heinz Dietrich Metzger, die EDV-Abteilung und der Musikreferent konnten nach langer Vorarbeit einen laufend aktualisierten Index des 2002 erschienen Katalogs "Gesangbücher in Württemberg" (Metzler: Stuttgart) ins Netz stellen. Zugleich ist dieser Index ein Generalregister zu den Gesangbuchbeständen aller bisher in württembergischen Bibliotheken und Archiven erfassten und von Metzger beschriebenen Exemplare. Dokumentiert sind inzwischen mehr als 5000 Titel, die Mehrzahl davon, ca. 4000, sind Teil der bedeutenden Gesangbuchsammlung der Landesbibliothek.
Nachdem seit Ende der 80er Jahre aus Personalmangel keine über Pflicht eingegangenen Musik-Tonträger mehr katalogisiert worden waren, konnte in diesem Jahr eine engagierte Kollegin der Landesbibliothek gewonnen werden, die sich nun der Formalerfassung der Neuzugänge und sukzessiven Katalogisierung der Rückstände angenommen hat.
Auch in diesem Jahr erhielt die Musiksammlung einen beträchtlichen Zuwachs an Theaternoten aus dem historischen Fundus des Staatstheaters. Zudem konnte ein Konvolut von Briefen des ehemaligen Stuttgarter Hofkapellmeisters Max von Schillings aus den Jahren 1915-31 erworben werden. Es handelt sich um Schillings Korrespondenz mit dem Opernregisseur und seinem späteren Nachfolger als Direktor der Staatsoper Berlin, Franz Ludwig Hörth (1883-1934), über aktuelle politische Debatten und Vorgänge, Inszenierungs- und Besetzungsfragen sowie über seine beständige Auseinandersetzung mit Richard Strauss. Als weitere aussergewöhnliche Erwerbungen sind eine seltene Eigenpublikation Conradin Kreutzers zu nennen ("Trois Solos pour le Pianoforte…" No. 6. Stuttgart 1812) sowie eine äusserst seltene Sammlung von Werken Stuttgarter Komponisten wie J.N.Hummel, L.Abeille, W.Häser, F.Silcher, Sutor und Schwegler ("Musikalische Unterhaltungen für das Pianoforte und Gesang", Stuttgart 1816-17).
Prof. Dr. Clytus Gottwald veröffentlichte den letzten Teil seines Katalogs der Musikhandschriften aus dem Bestand des ehemaligen Hoftheaters: "HB XVII 481-946. Die Handschriften der Württembergischen Landesbibliothek, II. Reihe, 6. Band. Die Handschriften der ehemaligen Königlichen Hofbibliothek. Codices musici III", Wiesbaden 2004. Damit endete auch das langjährige DFG-Projekt zur Erschliessung dieses besonderen Bestandes. Die Ablieferungen des Staatstheaters bis zum Jahr 1997 sind nun vollständig erfaßt, das handschriftliche Material in den beiden gedruckten Katalogen Gottwalds, die gedruckten Materialien im Online-Katalog (OPAC). Die Stuttgarter Staatsoper lieferte zwar seit 1997 in mehreren teilweise sehr umfangreiche Tranchen weiteres Material aus ihrer Rücklage an die Landesbibliothek ab. Über die Zuordnung und Katalogisierung des handschriftlichen Teiles dieses Bestandes - der gedruckte ist bereits katalogisiert - ist jedoch noch nicht entschieden.
In ihrem Vortrag "Die Filmmusik von gestern - Musik und Schauspiel am Stuttgarter Hoftheater" informierte Dr. Antje Tumat (Heidelberg) vor großem Publikum über den reichen Bestand an Aufführungsmaterialien zu den Melodramen, Schauspiel- und Ballettmusiken des Stuttgarter Hoftheaters im 19. Jahrhundert, die sich im Besitz der Württembergischen Landesbibliothek befinden. Die Referentin ist verantwortlich für ein DFG-Projekt, das im April 2003 begonnen wurde, und in dessen Rahmen diese besonderen Materialien der Musiksammlung erschlossen und wissenschaftlich analysiert werden.
Spektakulär gestaltete sich die gemeinsam mit der Musikabteilung der Badischen Landesbibliothek erarbeitete und im Oktober in Karlsruhe eröffnete Ausstellung klangwelten : lebenswelten - komponistinnen in südwestdeutschland. Die Ausstellung war von unerwartet großem Medienecho begleitet und wird, in etwas anderer Konzeption und mit anderem thematischem Schwerpunkt, am 1. Februar 2005 in der Württembergischen Landesbibliothek eröffnet werden. Zur Vernissage in Karlsruhe erschien ein umfangreicher Begleitband, an dem international renommierte Autorinnen und Autoren mitgearbeitet haben. Neben biographischen und werkbetrachtenden Beiträgen werden auch aktuelle Fragen der Geschlechterforschung sowie der regionalisierten Musikforschung diskutiert. Das Buch ist zum Preis von € 14,50 an der Garderobe der Württembergischen Landesbibliothek erhältlich oder über das Sekretariat zu beziehen (nicht im Buchhandel).
2003
Mit der Ausstellung " Hugo Wolf in Deutschland - Stuttgart - Mannheim - Tübingen - Berlin", die am 9. Januar im Buchmuseum der Bibliothek eröffnet wurde, feierte die Württembergische Landesbibliothek (WLB) gemeinsam mit der Internationalen Hugo-Wolf-Akademie das 100. Todesjahr des Komponisten. Die Ausstellung vereinte einzigartige Autographen, Erstdrucke und weitere Exponate aus den Sammlungen von Helmut Nanz, Joachim Draheim, Hartmut Höll und Mitsuko Shirai, aus dem Deutschen Literaturarchiv Marbach und aus der Musiksammlung der WLB.
Im Oktober war schließlich die Internationale Carl-Maria-von-Weber-Gesellschaft Gast der Landesbibliothek. Die Mitgliederversammlung, die am 25. Oktober im Vortragsraum der Bibliothek stattfand, endete mit einer Präsentation der zahlreichen "Weberiana" aus der Musiksammlung.
Im Rahmen eines gemeinschaftlichen DFG-Projektes der Universität Heidelberg (Musikwissenschaftliches Institut) und der Musikhochschule Stuttgart, seit 1. April 2003, werden die Aufführungsmateriale zu den Melodramen, Schauspiel- und Ballettmusiken des Stuttgarter Hoftheaters im 19. Jahrhundert, die sich im Besitz der Württembergischen Landesbibliothek befinden, wissenschaftlich erfaßt und analysiert. Das Projekt wird geleitet von Prof. Dr. Silke Leopold (Heidelberg) und Prof. Dr. Dörte Schmidt (Stuttgart), die Durchführung des Projektes ist in Verantwortung von Dr. Antje Tumat (Heidelberg) und Andreas Münzmay (Stuttgart).
Seit Januar wird nun auch der umfangreiche Nachlass des Heidenheimer Organisten und Komponisten Helmut Bornefeld akribisch katalogisiert, um ihn so der öffentlichen Nutzung zugänglich zu machen. Mit dem Erschließungsprojekt betraut ist Dr. Jörg Martin.
Ebenfalls seit Januar wird der nicht weniger umfangreiche Nachlass Hugo Herrmanns bibliothekarisch verzeichnet, verantwortlich für die Erschliessung der Herrmann-Archivalien ist Dr. Michael Strobel.
Einige wenige, besondere Bestandserweiterungen sind für das zurückliegende Jahr zu notieren: Ein Musikmanuskript des Stuttgarter Komponisten Karl Marx (1897-1964) wurde käuflich erworben, ebenso Dokumente der Musikerfamilie Eichhorn, deren Nachlass sich bereits in der Württembergischen Landesbibliothek befindet. Einst in der Nachkriegszeit aus dem Mülleimer einer Stuttgarter Musikschule gerettet, fand ebenso ein exquisites Konvolut gedruckter Noten des 16. -18. Jahrhunderts seinen endgültigen Verbleib in der Musiksammlung.
2002
Ein ereignis- und erntereiches Jahr: Der Musiklesesaal zog im Frühjahr in neue Räumlichkeiten (ehemaliger Kunstlesesaal der WLB), der Herbst zählte eine Menge an Veranstaltungen, an denen die Musiksammlung und das Musikreferat aktiv beteiligt waren.
Mit der Ausstellung "Johann Rudolph Zumsteeg (1760-1802) - Der andere Mozart?", die am 8. Oktober eröffnet wurde, würdigte die WLB Leben und Werk des Stuttgarter Hofmusikers und Komponisten. Gezeigt wurde ein repräsentativer Teil des Nachlassmaterials, das in der Landesbibliothek verwahrt wird. Zugleich war diese Ausstellung der krönende Abschluß eines Katalogisierungsprojekts dieser Archivalien, dessen Ergebnis - ein Quellenverzeichnis, erstellt von Dr. Jörg Martin - im Begleitband zu dieser Ausstellung dokumentiert ist.
Dr. Stefan Morent (Tübingen) entführte die Zuhörer nur eine Woche später mit seinem Vortrag in die Zeit Carl Eugens, dessen Berliner und Bayreuther Erfahrungen zur Gründung einer stehenden Hofoper in Stuttgart beitrugen, Titel "Musik am Hofe Friedrichs II. und die Stuttgarter Oper um 1750".
Am 19. Oktober veranstaltete die "Gesellschaft für Musikgeschichte in Baden-Württemberg e.V." ihre Jahrestagung in den Räumen der Landesbibliothek. Ein Symposium unter Leitung von Prof. Dr. Alexander Sumski (Tübingen) mit internationalen Referenten fand am 24. und 25. Oktober im Vortragsraum der Bibliothek statt. Die wissenschaftliche Tagung unter dem Titel "Kulturaustausch im Europa des 18. Jahrhunderts" war eine Kooperation der Eberhard-Karls-Universität Tübingen mit der WLB und dem Kulturinstitut der Republik Ungarn in Stuttgart.
Als ausserordentliche Bestandserweiterung in diesem Jahr ist die Erwerbung zahlreicher Briefe, Postkarten und Portraitfotos des Stuttgarter Hochschullehrers und Komponisten Hermann Reutter (1900-1985) aus dem Nachlass Karl Maria Zwisslers zu nennen.
2001
Hinsichtlich Bestandserweiterung war eher Kontinuität gefragt, spektakuläre Erwerbungen sind nicht zu verzeichnen. Dagegen konnte das Instrumentarium zur Erfassung und Erschliessung besonderer Bestände der Musiksammlung eindrucksvoll erweitert werden. Nach mehrjähriger Arbeit fand nun das Katalogisierungsprojekt "Gesangbücher" mit einer umfangreichen Publikation seinen Abschluss. In dem von Heinz Dietrich Metzger erstellten Bestandsverzeichnis sind u.a. die knapp 4000 Gesangbücher der Württembergischen Landesbibliothek (WLB) in diplomatischer Aufnahme verzeichnet, ergänzt um Bestände des evangelischen Oberkirchenrats und kleinerer Pfarrbibliotheken in Württemberg: Heinz Dietrich Metzger, Gesangbücher in Württemberg. Bibliographie und Bestandsverzeichnis. Stuttgart: Metzler, 2002. (=Repertorien zur deutschen Literaturgeschichte, Band 20).
Die "Operndatenbank" auf der Homepage der Musiksammlung wurde um ein weiteres Quellenverzeichnis ergänzt, so dass für die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts sowohl der Opern- als auch der Konzertbetrieb am Stuttgarter Hoftheater vollständig dokumentiert und im Internet recherchierbar ist - basierend auf den Aufführungsmaterialien und der Theater- bzw. Programmzettelsammlung der WLB . Diese Recherche-Datenbank zu den am Stuttgarter Hof 1818 neu eingerichteten "Abonnementskonzerten" verzeichnet die Jahre 1818 bis 1859 und bietet dem Suchenden folgende recherchierbare Kategorien: "Datum", "Konzertnummer", "Komponist", "Werktitel", "Satz", "Instrumente", "Besetzung", "Interpreten", "Anmerkungen" sowie eine "Freitextsuche".
Ebenfalls auf der Homepage neu eingerichtet ist ein Lexikon der Komponisten aus Baden und Württemberg ("von den Anfängen bis heute"), das laufend erweitert wird und inzwischen bereits mehr als 1100 Komponistinnen und Komponisten aus der Region des heutigen Baden-Württemberg auflistet, jeweils mit Angabe des Geburtsjahres und einer weiterführenden biographischen Quelle.
2000
Die vielbeachtete Ausstellung zur Geschichte der Musikproduktion am Stuttgarter Hoftheater unter dem Titel Musik und Musiker am Stuttgarter Hoftheater 1750-1918 (vom 22.September bis 22. Dezember) war eine spektakuläre Zwischenbilanz zahlreicher, seit Jahren laufender Erschließungsprojekte zu einzelnen Bestandsgruppen der Musiksammlung und zugleich Abschluß der seit 1921 sukzessive erfolgten Übergabe des umfangreichen historischen Aufführungsmaterials aus dem Bestand des ehemaligen Stuttgarter Hoftheaters. Zu der Ausstellung, die in Kooperation mit dem Württembergischen Staatstheater veranstaltet wurde, erschien ein 376seitiger Begleitband, der zahlreiche Studien und Quelleneditionen zur Geschichte des Stuttgarter Hoftheaters seit 1750 vereint. Er ist über das Sekretariat oder an der Garderobe der WLB für 30,- DM erhältlich.
Prof. Clytus Gottwald, der seit Oktober 1995 im Rahmen eines DFG-Projekts an der Katalogisierung des handschriftlichen Musikalienbestandes der ehemaligen Hofbibliothek (HB XVII; Opernpartituren) arbeitet, konnte nun den ersten Teilband (Buchstabe A-M) fertigstellen. Der umfangreiche Katalog ist über den Buchhandel erhältlich: "Die Handschriften der Württembergischen Landesbibliothek, II. Reihe, 6. Band. Die Handschriften der ehemaligen Königlichen Hofbibliothek. Codices musici II, Wiesbaden 2000".
Ein kanadisches Professoren-Ehepaar sammelt und verzeichnet seit mehreren Jahren weltweit Quellen zu Leben und Werk der Mendelssohnschülerin Josephine Lang, deren Nachlass die WLB besitzt. Im Zuge ihrer Arbeit, die Ende 2000 abgeschlossen wurde, haben Sie den Nachlass erfasst und kommentiert. Die Daten wurden uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt, mit der Bitte, daraus eine Recherchedatenbank zu konfigurieren und diese auf den Musikseiten der WLB im Internet zu präsentieren (Datenbank).
Im Bereich der Bestandsvermehrung ist zwar für dieses Jahr, im Vergleich zur Übernahme der Hoftheatermusikalien und des Herrmann-Nachlasses im vergangenen, kein außergewöhnlicher Neuzugang zu verzeichnen, der verfügbare Etat ermöglichte jedoch eine kontinuierliche Erweiterung und Ergänzung des vorhandenen Notenbestandes durch Zukauf neuer und in bescheidenem Umfang auch antiquarisch erhältlicher Publikationen.
