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Graduale (HB XVII 22)

Die älteste von vier Handschriften mit liturgischen Gesängen zur Meßfeier (Gradualien) aus dem Kloster Schöntal, die heute im Besitz der WLB ist, stammt wohl aus dem 12. Jahrhundert und trägt den Schreibervermerk: Bertolfus. Andreas Traub, der dieses Graduale und ein weiteres mit dem gleichen Namen versehenes aus Colmar quellenkritisch verglichen hat, vermutet, daß beide in Maulbronn geschrieben wurden. Schöntal wurde 1156 von Maulbronn aus gegründet. 1453 übernahm Maulbronn die Reform des Zisterzienserklosters Pairis (von dort stammt die Colmarer Handschrift), und dabei wurden auch Bücher zwischen den Klöstern getauscht.

Ob die berühmte Predigt Bernhards von Clairvaux am Weihnachtstag 1146 in Speyer, mit der er König Konrad III. zum (Zweiten) Kreuzzug bewog, den großen geschichtlichen Hintergrund der Entstehung dieser Handschriften bildete, muß Spekulation bleiben, obgleich - so Traub - die geschichtlichen Daten und der Schreibername dafür sprechen.

Literatur

Andreas Traub: Zur Überlieferung des Meßgesangs im Kloster Schöntal, in: Württembergisch Franken, Band 77, Schwäbisch Hall 1993, S. 249-268.

 


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