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Alte Fachgruppen - Hofbibliothek - Rara

1. Alte Fachgruppen
(z. B. "Altert." - "Geogr." - "Gew." - "Theol." etc.)

Die größte Zahl an alten Drucken ist im Bestandsblock der alten Fachgruppen enthalten. Hier stehen die Bücher aus dem Erscheinungszeitraum von 1501 bis 1800 zusammen mit Werken jüngeren Datums. Da innerhalb der Fachgruppen alphabetisch, nicht chronlogisch geordnet wurde, finden sich in dieser bis 1929 geführten Gruppe ältere und jüngere Titel in bunter Reihe nebeneinander. Obwohl das Signaturenkontingent "Hofbibliothek Fortsetzung" (HBF) und die Gruppe der Rara-Signaturen (s. weiter unten) durch Umstellungen aus diesem Bereich erweitert wurden, und damit wenigstens die besonderen Stücke in jeweils eigenen Abteilungen zusammengefaßt werden konnten, sind bis heute seltene, wertvolle, oder auch einfach nur sehr schöne Beispiele für frühe Buchdrucker- oft auch Buchbinderkunst in den alten Fachgruppen enthalten. Die Bücher sind - bis auf wenige Ausnahmen - über die EDV bestellbar und werden, abhängig von ihrem Alter, bzw. ihrer Größe und ihrem Inhalt, im Lesesaal Alte Drucke zu bestimmten Benutzungsbedingungen, im Hauptlesesaal oder an der Leihstelle ausgegeben.

Die durch den Krieg im Altbestand gerissenen Lücken klaffen vor allem im Bereich der alten Fachgruppen, wobei bedingt durch die Aufstellungsstruktur manche Fächer sehr stark oder gar vollkommen, andere nur peripher oder praktisch nicht zerstört wurden. Besonders schmerzliche Verluste sind im Fach Deutsche Geschichte, in der Englischen Geschichte, bei den Kupferwerken der Fächer Geschichte, Geographie und Gewerbekunde und den klein- und mittelformatigen Büchern aus der Naturgeschichte und der Medizin zu beklagen, um nur die größeren Gruppen zu nennen.

Bei den archäologisch bedeutenden Großfolianten finden sich u.a. das neunbändige Dokumentationswerk zu Ausgrabungen in Herculaneum und Pompeji "Le Antichità di Ercolano esposte", 1755 ff, die erste große Grabungsdokumentation der Accademici Ercolanesi, ferner eindrucksvolle Abbildungswerke zu den römischen Wandmalereien von Zahn, Ternite, Mazois, Niccolini und anderen. Vorhanden sind des weiteren die "Antiquities of Athens" von James Stuart und Nicholas Revett, die Stiche mit Ansichten Roms von G.B. Piranesi, "L'antiquité expliquée" von de Montfaucon, die "Antiquités de la Grand Grèce" von F. Piranesi und die "Collection of Etruscan, Greek and Roman Antiquities" von Hamilton.

Die Hofbibliothek geht auf die vom ersten württembergischen König Friedrich I. zwischen 1806 und 1810 aufgebaute Handbibliothek zurück. Den Kern der ursprünglich als reine Privatbibliothek angelegten Sammlung bildete der Bestand der "vaterländischen Autoren", einer noch von Carl Eugen zusammengestellten und einheitlich gebundenen Literaturauswahl. Im Lauf des 19. Jahrhunderts ging sie in die Krondotation über und hieß seit 1886 deshalb folgerichtig Königliche Hofbibliothek. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Bibliothek bereits beträchtlich angewachsen: Wertvolle Bücher aus früherem Klosterbesitz gelangten in der Säkularisation in die Hofbibliothek, die Übernahme ganzer Sammlungen und der planvolle Ausbau vor allem des Bestandes mit direktem regionalen Bezug ließen die Zahl der Bücher nach oben schnellen. Nachdem Handschriften und Inkunabeln schon 1884 in die Obhut der Öffentlichen Bibliothek gegeben worden waren, ging der große Rest der Bücher - bis auf eine kleine Auswahl, die als Privateigentum ausgesondert und nach Bebenhausen verbracht wurde - nach 1918 in Staatsbesitz über. Im Jahr 1936 kamen schließlich die 92076 Bände, 4304 ungebundene Schriften, 8036 Dramen, 4134 Autographen, sowie Bildnisse und Ansichten in die Zuständigkeit der Landesbibliothek. Nur ein Teil dieses Bestandes überstand den Zweiten Weltkrieg, weil er rechtzeitig ausgelagert wurde. Ein Großteil der alten Hofbibliothek, insbesondere die gesamte Literatur nach 1750, wurde allerdings zerstört. Was heute noch von ihr erhalten ist, steht als geschlossene Gruppe - erkennbar an der mit "HB" beginnenden Signatur - im Magazin der WLB. Die Inkunabeln aus der Hofbibliothek sind inzwischen in die Inkunabelsammlung integriert, wobei allerdings ihre Provenienz am Signaturenzusatz "HB" erkennbar ist. Um die langjährige Eigenständigkeit dieser Bibliothek und der in ihr zusammengetragenen Bestände zu bewahren, ist dieses Signaturenkontingent heute praktisch abgeschlossen. Lediglich die Teile der ehemaligen Bibliothek Franziskas von Hohenheim, die die Landesbibliothek 1987 erworben hat, sind noch integriert worden. Alle weiteren antiquarischen Erwerbungen von Titeln mit Erscheinungsjahr bis 1800 erhalten heute in der Regel eine mit der Buchstabenfolge HBF (Hofbibliothek Fortsetzung) beginnende Signatur.

Um ein Signaturenkontingent für Neuzugänge im Bereich des Altbestandes bereitzuhalten, schloß man in der WLB an den historisch gewachsenen Bestand der ehemaligen Hofbibliothek und die dafür reservierten HB-Signaturen an, indem schlicht ein "F" hinzugefügt wurde. Mit dieser Signaturform: HBF + Formatangabe + laufende Nummer werden alle von 1501 bis zum Jahr 1800 erschienenen Bücher versehen, die entweder antiquarisch erworben werden oder auch als Geschenk bzw. im Tausch in die Sammlung gelangen. Die Kriterien, nach denen der Altbestand ausgebaut wird, orientieren sich auch in diesem Bereich in erster Linie an den spezifischen Aufgaben einer Landesbibliothek, d.h. vorrangig erworben werden: die regionale Buchproduktion, Schriften von Autoren, die in einer engen Beziehung zum Land (das schließt selbstverständlich die historischen Territorien auf dem Gebiet des heutigen württembergischen Landesteiles ein) standen, oder sonstige landeskundlich oder historisch relevante Drucke. Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt in der Erwerbung ist bis heute die Vervollständigung des Bestandes an den Stellen, wo durch den Zweiten Weltkrieg Lücken entstanden sind. Auf eine systematische oder auch nur grob nach Wissensgebieten geordnete Aufstellung wurde verzichtet, lediglich in den Fällen der Übernahme geschlossener Sammlungen sind Blöcke entstanden, die bisweilen thematisch definiert sind (z.B. Savonarola). Formal sind alle Bücher - wie der gesamte Altbestand der WLB bis 1850 - außer im konventionellen Katalog auch im Online-Katalog (OPAC) und im Südwestverbund erschlossen.

Ganz besonders wertvolle und wichtige Drucke des 16.-18. Jahrhunderts sind mit Rara-Signaturen versehen und separiert worden. In dieser Gruppe sind sowohl Bücher, die sich früher im "normalen" Altbestand, also den Fachgruppen oder bei den HB bzw. HBF-Kontingenten befanden, als auch besonders wichtige Neuerwerbungen der Gegenwart zusammengefaßt. Die Bedeutung dieser überaus kostbaren Auswahl an zumeist sehr seltenen Büchern ist wahrscheinlich am besten mit einer knappen Aufzählung einiger Beispiele zu illustrieren.

In der Gruppe des 16. Jahrhunderts werden etwa die "Indianische Historia" von Nikolaus Federmann, Hagenau 1557, nicht weniger als 57 Drucke mit Texten von Johannes Kepler, der Druck eines chinesischen Kalenders aus der Regierungszeit des Kaisers Kiatzing (1559-1568), ein gedruckter Luther-Brief mit handschriftlicher Widmung, "De divina proportione" von Luca Pacioli - ein venezianischer Druck von 1509 -, oder eine tschechische Petrarca-Ausgabe der "Remedia", Prag 1501, aufbewahrt. Das vielleicht prominenteste Stück ist Hans Burgkmairs Exemplar des "Theuerdank", Nürnberg 1517, das dieser Bestandsgruppe zwar zugehört, seinen angemessenen Stammplatz heute aber im Tresor der Landesbibliothek gefunden hat.

Für das 17. Jahrhundert seien nur Erstausgaben von Gryphius, von Thomas Hobbes und Galileo genannt, vor allem aber die First Folio-Ausgabe Shakespeares von 1623. Wertvolle Reise- und Expeditionsberichte bzw. Länderbeschreibungen (z.B. Argensola, Conquista de las islas Malucas, Madrid 1609) stehen neben sehr seltenen Württembergica (Balthasar Kuechler, Repraesentatio der fürstlichen Aufzug und Ritterspil, Schwäbisch Gmünd 1609) und reich illustrierten Kupferwerken zu Kunst und Architektur. Erstausgaben von Goethe, Kant, Lessing, Schiller und vielen anderen stehen bei den Rara des 18. Jahrhunderts. Anstelle der anfangs noch eingerichteten Rara-Gruppen für das 19. und 20. Jahrhundert - hier z.B. die "Reisen in das innere Nord-America" von Max Prinz zu Wied-Neuwied, Koblenz 1832-34 - werden wichtige und seltene Ausgaben von Texten des 19. und 20. Jahrhunderts heute zusammen mit Beispielen der modernen Buchkunst in der großen Gruppe mit /90000-Signaturen aufgestellt.

 


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