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God,
give us grace to accept with serenity the things that cannot
be changed, courage to change the things which should be changed, and the wisdom to distinguish the one from the other. |
falsche OETINGER- GEBET oder
Das |
Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen,
die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. |
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Das sog. "Oetinger-Gebet" oder "Gelassenheitsgebet"
ist in den letzten vierzig Jahren in Deutschland und Amerika
sehr populär geworden. Es wird behauptet, der württembergische Prälat und
Theosoph Friedrich Christoph Oetinger (1702- 1782) habe es verfasst. Oft ist es
das einzige, das man von ihm zu kennen meint. Religionsbücher und Postkarten
werden damit geziert und verweisen auf den angeblichen Verfasser aus dem 18. Jahrhundert.
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My husband wrote that prayer in early 1940's during the war.
He wrote it and used it for service when he was preaching in
the Congregational Church of Heath, a little hill village in
Western Massachusetts, where for many years we used to spend the
summer.
God, give us grace to accept with serenity
There is also a little problem about the date. My husband and I were
never quite sure whether it was 1941 or 1942. By 1943, it was in
circulation, and so we used that as the date of its "Publication".
I have been told that Bartlett's Quotations have it attributed to
my husband and give a date of 1934. My husband may have used it in
his prayers by that time, but it certainly was not then in circulation.
This has been corrected in later editions.
Ursula M. Niebuhr |
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2. [Letter of Reinhold Niebuhr 1965.04.28 to a certain Mrs. Winters.] Hatte noch die Ehefrau von Reinhold Niebuhr keinen Zweifel daran gelassen, daß ihr Mann das Gebet selbst formuliert habe, so wurden doch durch Anfragen im Hause Niebuhr in New York Zweifel wach, ob sich nicht Niebuhr selbst einer älteren Quelle, die bis ins monastische Mittelalter zurückreicht, bedient habe. |
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New York, N. Y. 10025 April 28, 1965
Mrs. Austin P. Winters
Dear Mrs. Winters:
Sincerely yours
Reinhold Niebuhr |
3. Reinhold Niebuhr: Epilogue: a view of life from the sidelines. - In: The essential Reinhold Niebuhr : selected essays and addresses / edited and introduction by Robert McAfee Brown. - New Haven 1986
In dem autobiographischen Aufsatzband Reinhold Niebuhrs wird ganz am Ende
das Gebet erwähnt, das Niebuhr des öfteren wegen der vielen Anfragen
aus der Fassung gebracht haben soll.
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... I must confess
my ironic embarrassment as I lived through my depressions,
which had the uniform characteristic of an anxious preoccupation
with real or imagined future perils. The embarrassment, particularly,
was occasioned by the incessant correspondence about a prayer
I had composed years before, which the old Federal Council
of Churches had used and which later was printed on small
cards to give to soldiers. Subsequently Alcoholics Anonymous
adopted it as its official prayer. The prayer reads:
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4. Courage to change : an introduction to the life and thought of Reinhold Niebuhr / June Bingham Boston, 1993 - und frühere Ausgaben
Ihre Biographie
stellt die Verfasserin unter das
Schlagwort Mut zur Veränderung, indem sie nicht nur den Titel danach
benennt, sondern auch vorne eine Seite mit dem Wortlaut des Gebets einfügt
und erläutert: |
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This prayer was composed by Reinhold
Niebuhr in 1943 when he preached occasionally in the small
church near his summer home in Heath, Massachusetts. After
the service, Howard Chandler Robbins, a summer neighbor, asked
for a copy. He is reported to have been handed the original,
with words to the following effect: |
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5. Theodor Wilhelm mit Pseudonym Friedrich Oetinger
Dr. Dr. Theodor Wilhelm, geb. 1906 in Neckartenzlingen,
war Professor der Religionspädagogik
in Kiel. |
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An das Pseudonym, unter dem mein Partnerschaftsbuch erschien, knüpft
sich eine hübsche Geschichte, die ich erzählen will, weil sie
den Bereich des rein Biographischen überschreitet und weil sie seit
kurzem auch die Pointe hat, um die wir jahrelang verlegen waren. Das
Pseudonym Friedrich Oetinger war nicht gänzlich aus der Luft
gegriffen, sondern hatte, wenn man so will, einen familiären Bezug.
Der schwäbische Pietist Johann Albrecht Bengel gehört zu
meinen
mütterlichen Vorfahren; das Handexemplar des griechischen Neuen
Testaments, das er übersetzt hat, steht auf meinem Nachttisch. Weil
nun "Bengel" als Schriftstellername nicht sehr elegant gewesen wäre,
schien ein Name aus dem Kreis seiner Geistesverwandten besser geeignet,
und da bot sich Friedrich Christoph Oetinger (1702 bis 1782) in
erster
Linie an. Den "Christoph" ließ ich, um nicht gar zu unbescheiden zu
sein, fallen, und so wurde "Friedrich Oetinger" daraus. (Ich wußte
damals nicht, daß es in Hamburg einen Kinderbuchverlag gleichen
Namens gab; Freunde haben uns, nachdem das Buch seine Kreise zog, den
Prospekt des Hamburger Verlages zugeschickt, der als Werbeslogan den Satz
benützte: "Ein Oetinger-Buch müßte man haben!")
to accept things I cannot change, the courage to change the things I can, and the wisdom to know the difference.
Wir gaben uns viel Mühe mit der Übersetzung - und das ist der
Anlaß, um nun endlich auch meine Frau vorzustellen, die von uns
beiden nicht nur der bessere Übersetzer ist, sondern - aus einem
bekannten deutschen Musikverlag stammend und B.A. des Vassar College, USA
- insgesamt ein literarisch und künstlerisch bewanderter Geist und
der strengste inhaltliche und formale Kritiker von allem, was ich geredet
und geschrieben habe. Wir stritten uns über "serenity", und weil
meine Frau "Heiterkeit" verwarf und auf "Gelassenheit" bestand, lautete
die Übersetzung:
Es dauerte mehrere Jahre, bis uns dieses tiefsinnige, weltzugewandte, im
wahrsten Sinne des Wortes menschliche Gebet in einem Zeitungsartikel als
Zitat "des bekannten schwäbischen Pietisten Friedrich Christoph
Oetinger" wieder unter die Augen kam. Wir hielten die irrtümliche
Quellenangabe für einen lokalen Fehltritt; aber das Unheil war
bereits im Zuge und nahm seinen unaufhaltsamen Lauf. Der Satz tauchte in
der Textfassung meiner Frau (unsere Erkennungschiffre war die
"Gelassenheit") immer häufiger als ein Satz des Pietisten Oetinger
auf: in Aufsätzen, Reden, Predigten, Kalenderblättern und
Spruchsammlungen. Vom ganzen Partnerschaftsbuch schien das
angelsächsische Gebetchen die größte Breitenwirkung zu
haben, und die irrtümliche Rückführung auf den
geheimnisvollen Pietisten des 18. Jahrhunderts sollte die Wirkung nur noch
erhöhen. Nun weiß jeder, der vom schwäbischen Pietismus,
jener spezifischen Mischung von Sektierertum, mystischer Verstiegenheit
und Endzeitbesessenheit, eine kleine Ahnung hat, daß eine so
nüchtern reflektierende Betrachtung, eine so pragmatisch
argumentierende Unterscheidung zwischen Möglichem und
Unabänderlichem, daß vor allem der Aufruf zur aktiven
"Gesellschaftsveränderung" niemals auf dem Boden der
schwäbischen Stundenbrüder erwachsen sein konnte. Der Pietist
Oetinger predigte den Vögeln im Walde, und seine Bücher
sind
voller mystischer Sentimentalitäten. Dennoch: Das Zitat machte im
Mantel pietistischer Frömmigkeit seinen Weg durch die Bundesrepublik
und wurde ein beliebter Schlußakkord von Festreden. Klaus von
Bismarck schloß so seine Ansprache nach der Ernennung zum
Intendanten des WDR. Rüdiger von Wechmar gab, als er sich 1974
als
Regierungssprecher verabschiedete, den Satz seinem Nachfolger mit auf den
Weg. Auch auf einer Todesanzeige fanden wir das Gebet dem Pietisten
Oetinger zugeteilt.
Ende der fünfziger Jahre entdeckte meine Frau unseren Satz im Hause
von Bekannten als feierlich gerahmtes Wandfoto. Es handelte sich um ein
Bild der Eingangshalle der Schule der "Inneren Führung" in Koblenz.
Das kluge Gebet war der Wahlspruch der Bundeswehrschule geworden, und
General Speidel verwendete es in seinen Ansprachen, um damit den
Geist der
neuen Truppenführung zu charakterisieren. Auch jetzt lief der Text
unter dem Namen des Pietisten aus dem 18. Jahrhundert, und seine
Jahreszahlen waren in Koblenz zwischen Fahnen in Stein gemeißelt.
Jetzt schien es uns freilich notwendig, den zuständigen Referenten
der "Inneren Führung" zu informieren, um Verunsicherungen, die
eintreten konnten, zuvorzukommen. Das Echo war ebenso vernünftig wie
dankbar; wir verabredeten, an dem Text selbst nicht zu rütteln,
sondern einfach den Namen zu streichen. Ich hoffe, dabei ist es
geblieben.
Zwei besonders witzige Verwendungsweisen darf ich noch erwähnen. Die
"Anonymous Alcoholics", jene bewundernswerte Organisation, in der
Alkoholsüchtige sich gegenseitig aus ihrer verzweifelten Lage
herauszuhelfen suchen, geben ihren Mitgliedern in Deutschland seit den
sechziger Jahren die pragmatische Maxime, zwischen Zumutbarem und
Unmöglichem zu unterscheiden, als Trost auf den Weg. Und der bekannte
Sachbuchautor Hermann Marcus benützt in seinem 1973
erschienenen
Buch "Die faule Gesellschaft" das Oetinger-Zitat (diesmal in der pikanten
Variation "Christoph Friedrich Oetinger, 19. Jahrhundert"), um über
die Situation der EWG-Landwirtschaft folgendes zu sagen: "Von der
Weisheit, unterscheiden zu können, welche Dinge sich verändern
lassen und welche nicht, ist in der Agrarpolitik so wenig zu spüren
wie vom Mut, Dinge zu ändern, die falsch sind und daher geändert
werden müßten; groß ist nur die Gelassenheit, die Dinge
hinzunehmen, wie sie sind."
Als auch Thaddäus Troll(*) in seinem Bestseller "Deutschland, deine
Schwaben" der pietistisch-pragmatischen Verwechslung unterlag (der
Schwärmer Oetinger predigte den Tieren; aber dann hatte er
auch ganz
realistische Anwandelungen...), klärten wir ihn auf, und im zweiten
Band ("Preisend mit viel schönen Reden") wurde die Sache
richtiggestellt. Aber noch immer fehlte die Lösung. Die kennen wir
erst seit einigen Monaten. Erneute Recherchen haben eine Vermutung, die
schon längere Zeit bestand, zur Gewißheit gemacht: die Quelle
ist der bekannte deutsch-amerikanische Theologe und Philosoph Reinhold
Niebuhr. Auch wenn Niebuhr selbst wohl nicht der originale "Erfinder"
des Textes ist, so ist er jedenfalls derjenige, der das Gebet in das
Bewußtsein einer breiten amerikanischen Öffentlichkeit
eingeführt hat. Nicht dem Schwaben Oetinger (weder in meiner
eigenen
noch in des Pietisten Gestalt) gebührt das Verdienst, Tausenden von
Hilfsbedürftigen und Zweifelnden mit einer klugen Lösung aus
pragmatischer Frömmigkeit Hilfe geleistet zu haben, sondern dem
Amerikaner Niebuhr. |
mit Gelassenheit hinzunehmen. Gib mir den Mut, zu ändern, was geändert werden kann und muß. Und gib mir die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. Oh, Lord, give me the strength to accept with serenity the things that cannot be changed - give me the courage to change what can and should be changed - an give me the wisdom to distinguish one from the other. |
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Theodor Wilhelm äußert sich in einem Leserbrief in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
vom 1. Februar 1986 zu einem dort vorher abgedruckten Zitat des
Gelassenheitsgebetsÿ |
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Hartmut Herles hat seine Neujahrsbetrachtung (Leitartikel "Das Jahr des
Tigers?", 6. Januar) mit dem - man kann heute sagen -
bekannten und vielzitierten Gelassenheitsgebet abgeschlossen und der
Meinung Ausdruck gegeben, es sei ein guter Leitfaden für eine zwischen
leichtfertigem Optimismus und raschem Pessimismus ausgebreitete
realistische Lebenseinstellung. Dazu eignet sich das schöne Gebet in der
Tat wie wenig anderes. Nur: Die Meinung des Autors, der Text stamme von
Friedrich Christoph Oetinger (1702 bis 1782), ist falsch; sie beruht auf
einer Namensverwechslung. Ich habe das Gebet in meinem
politisch-pädagogischen Nachkriegsbuch ("Wendepunkt der politischen
Erziehung", 1951, alle weiteren Auflagen unter dem Titel "Partnerschaft",
1953 ff.) verwendet, um bei den Erwartungen der politischen Bildung mit den
Füßen auf dem Boden zu bleiben und zugleich der Resignation keinen Raum zu
geben. |
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Aus: The Yale Book of Quotations Edited by Fred R. Shapiro. - New Haven and London : Yale Univers. Press, 2006. - S.293 Reinhold Niebuhr U.S: theologian, 1892-1971 2. O God and Heavenly Father. Grant to us the serenity of mind to accept that which cannot be changed; the courage to change that which can be changed; and the wisdom to know the one from the other. Quoted in N.Y. Times, 2 Aug. 1942. The origins of the "Serenity Prayer" are surrounded with misinformation. In the 12 July 1942 issue of the New York Times, a correspondent in the "Queries and Answers" column asked for the origin of "Give me patience to accept those things which I cannot change, the courage to change those things which can be changed, and the wisdom to know the difference." On 1 Aug 1942, in response of the query, the text above was printed "clipped from a publication the name of which is not recalled" and another respondent attributed it to Niebuhr. Alcoholics Anonymous, which has used the prayer very prominently, has given several conflicting accounts in its literature over the years, stating that it was found in an obituary in the New York Times or New York Herald Tribune in 1939 or 1941 or 1942, but the compiler of this volume has been unable to verify this in the relevant newspapers. Others have ascribed the prayer to an eighteenth-century German theologian named Oetinger, but this claim has been shown to be a misunderstanding. |
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Weitere Sekundärliteratur Frieder Schulz: Über die Herkunft des "Gebets um Gelassenheit", Oetinger zugeschrieben. In: Theologische Beiträge. Wuppertal 21 (1990), S. 98f.
Mit Theodor Wilhelm, seiner Biographie und einer theologischen Analyse
des Gebets setzt sich der Autor Hans Jürgen Luibl auseinander: |
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Jügst erschienene Publikationen, die alle derzeit bekannten historischen Fakten zusammenfassen: Eckhard Goldberg, Pfarrer i.R. Eine Lebensregel macht Geschichte(n) in:
Gib mir die Gelassenheit ... Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann : Erlebnisse mit einer Lebensregel. - Gießen : Brunnen Verlag, 2007. - 112 Seiten, Aufsatz von Goldberg S. 102-109 gebunden, 9.95 Euro ISBN 13: 978-3-7655-1948-2 Eckhard Goldberg: Cicero oder Wilhelm von Oranien? : die Geschichte des Gebets um Gelassenheit. In: Nachrichten der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Jg. 62, 8. August 2007. - S. 260-263 |
| Ó Württembergische Landesbibliothek Stuttgart, 12. November 2007 | Dr. Eberhard Zwink |
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