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Johann Rudolph Zumsteeg

Johann Rudolph Zumsteeg (1760-1802) - Der andere Mozart?

Ausstellung im Foyer der Württembergischen Landesbibliothek vom 9. Oktober bis 23. November 2002

Biografie

Bibliografie

Diskografie

Liedtexte

Musikalischer Nachlass von J. R. Zumsteeg

Vernissage am 8. Oktober, 20 Uhr.

Grusswort: Dr. Hannsjörg Kowark, Direktor der Württembergischen Landesbibliothek

Festvortrag:  Prof. Dr. Marie-Agnes Dittrich, Wien: "Er konnte 'tagelang darin schwelgen': Schuberts Begeisterung für Johann Rudolph Zumsteegs Lieder und ihre Folgen".

Musikalische Umrahmung: Liedklasse Prof. Konrad Richter, Stuttgart (Martina Welschenbach, Sopran; Robert Bärwald, Klavier)

Gliederung der Ausstellung

Akademiezögling

Johann Rudolph Zumsteeg wurde am 10. Januar 1760 in Sachsenflur bei Mergentheim geboren. Der Vater stand als Grenadier zu Pferde in den Diensten des württembergischen Herzogs Carl Eugen. Nach der Entlassung aus dem Soldatenstand ernannte ihn dieser zu seinem Leiblakaien. Am 16. Dezember 1770 wurde Johann Rudolph als Stuccatorknabe ins "militärische Waisenhaus" auf der Solitude aufgenommen. Seine Mutter war gestorben. Bereits nach drei Jahren Unterricht errang der inzwischen zur Musik gewechselte "Eleve Nr. 95" bei der jährlich stattfindenden öffentlichen Prüfung den ersten Preis "in der Sayten-Instrumental-Musik". Zumsteegs Hauptinstrument war das Violoncello. Er komponierte in diesen Jahren eine Reihe von Konzerten für sein Instrument sowie Duos für Flöte und Violoncello. Viele Jahre später, als einige davon ohne Zustimmung des inzwischen berühmten Komponisten veröffentlicht wurden, reagierte Zumsteeg verärgert: "Sie sind von meinen frühesten Arbeiten und haben, Stich und Papier abgerechnet, gar keinen Wert".

  • 1. Preis in der Instrumentalmusik. Herzogliches Patent, 1775.
    In den Jahren 1774 bis 1778 erhielt der Akademiezögling Zumsteeg fünf erste Preise, sämtliche für seine Leistungen auf dem Violoncello oder "in der Instrumentalmusik". [Privatbesitz].
  • Verzeichniß derjenigen Erfordernisse, welche ein junger Mensch bei seiner Ankunft in der Herzoglichen hohen Carls=Schule sich anzuschaffen oder mitzubringen hat. [Gedruckt um 1780].
  • Concerto per il Violoncello (As-Dur). Autograph, um 1777.
    Ludwig Schubart, der Sohn des Dichters und Studienfreund Zumsteegs, über dessen Cellospiel: "Er spielte mit tiefem Gefühl, seltener Präzision und durchgreifender Kraft ...; und dieser Ausdruck war es auch, der ihn auf den ersten Blick vor dem geübten Mechaniker auszeichnete, und als eignen musikalischen Dichter ankündigte".
  • Die Frühlingsfeyer. Ode von Klopstock zur Deklamation mit Begleitung des Orchesters, 1777. Partiturdruck, Leipzig bei Breitkopf & Härtel 1804.
    Dieses Melodrama war ein beliebtes Paradestück für rezitierende Schauspieler noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Freund Schillers

Zumsteeg zählte zum engsten Freundeskreis Friedrich Schillers (1759-1805). Von der lebenslangen Freundschaft der beiden Akademiezöglinge künden nicht nur viele Briefe, sondern ebenso Zumsteegs zahlreiche Vertonungen der Schillerschen Gedichte. Die Räuberlieder setzte Zumsteeg unmittelbar nach ihrem Entstehen in Musik, noch auf der Akademie. Während Schiller diese Kompositonen hoch schätzte, distanzierte sich der Komponist Jahre später von diesen. Er schäme sich jener Arbeiten so sehr, dass er wünsche, "solche ganz vertilgen zu können". Eine große Anzahl von Vertonungen freilich, die er in späteren Jahren schuf, zählen zu den besten musikalischen Interpretationen Schillerscher Lyrik überhaupt ("Die Erwartung", "Ritter Toggenburg") und trugen zum Ruhm des Komponisten bei. "Mein sehnlichster Wunsch ist noch immer der: 'eine Oper von dir zu erhalten'. Sollte dieser nie befriedigt werden können?", schreibt Zumsteeg am 12. Februar 1800 an Schiller. Doch eine gemeinsame Oper kam nie zustande.

  • Friedrich Schiller: "Die Räuber", Frankfurt und Leipzig bei Tobias Löffler, 1782, 2. Auflage, Vorwort. Notenbeilage in Kopie.
    Vermutlich für die Uraufführung der "Räuber" in Mannheim am 13. Januar 1782 bestimmt, wurden die Gesänge jedoch nicht verwendet, da die Schauspieler mit den anspruchsvollen Liedern überfordert waren.
  • Brutus und Caesar. Aus dem Schauspiel "Die Räuber", für Singstimme, Cembalo und obligate Violine. Autograph, Text: Friedrich Schiller, um 1782.
  • An den Frühling. Autograph, Text: Friedrich Schiller, um 1782.
  • An den Frühling. Text: Friedrich Schiller, aus: Blumenlese für Klavierliebhaber, eine musikalische Wochenschrift, 1. Teil, herausgegeben von Heinrich Philipp Bossler, Speier: Bossler, 1783.
  • Morgenfantasie. Autograph, Text: Friedrich Schiller, um 1782.

Hofmusiker

Am 15. Juli 1781 wird Zumsteeg aus der Akademie entlassen und mit geringem Sold als Hofmusiker angestellt. Um sich finanziell besser zu stellen, widmete er einen grossen Teil seiner Tätigkeit der neu eingerichteten herzoglichen Notendruckerei. Doch erst nachdem sein Gehalt verdoppelt worden war, durfte er Luise Andreä, die Tochter aus einer angesehenen Stuttgarter Arztfamilie, heiraten. In der Hoffnung, durch Arbeiten für das Theater seine zunehmend missliche materielle Lage verbessern zu können, schrieb er in den folgenden Jahren vier Opern und ein grösseres Melodram, dazu zahlreiche Gelegenheits-Festspiele und Huldigungskantaten in herzoglichem Auftrag. Mit der Ernennung Schubarts zum Direktor der deutschen Oper (1787) erfolgte ein dramatischer Einschnitt im Schaffensprozess Zumsteegs. Zehn Jahre lang schrieb er nun kein grösseres Werk mehr für die Bühne. Die wirkungsmächtigen Tonschöpfungen der von Schubart importierten Wiener Komponisten (Gyrowetz, Dittersdorf, Haydn, Mozart) brachten den Stuttgarter Theaterkomponisten zum Schweigen.

  • Gedichte auf Luise Andreä. Verfasser: Johann Rudolph Zumsteeg und Karl Philipp Conz, 18. August 1782, Abschrift.
  • In donnernden Chören. Partitur, Autograph, 1782. Kantate anlässlich des Geburtstages von Herzog Carl Eugen am 11. Februar 1782, Text: Christian Friedrich Daniel Schubart.
  • La feste della Tessaglia. Libretto: Mattia Verazi, Musik von Poli, Zumsteeg, Gauß und Dieter. Partitur, Abschrift, 1782.
    Lehrer und Schüler der herzoglichen Akademie komponierten diese Oper gemeinsam. Linke Seite: Schluß der von Christian Ludwig Dieter komponierten Szene, rechte Seite: Beginn Rezitativ und Arie von Zumsteeg.
  • Zalaor. Oper. Libretto: De la Veaux. Uraufführung am 2. März 1787, Klavierauszug, Leipzig bei Breitkopf & Härtel um 1806.
    Das Hauptcharakteristikum dieses Werkes ist, daß eine ganze Reihe von Partien, die sonst dem begleiteten oder Secco-Rezitativ zugehören, melodramatisch bearbeitet sind.
  • Tamira. Melodrama in 1 Akt, Libretto: Johann Ludwig Huber. Partitur, Autograph, 1788.
    Die Musik offenbart einen naturalistischen Zug. So wird beispielsweise der mehrmals wiederholte "wilde" Opfermarsch mit Pfeifen, Trompeten, Pauken, Fagotten und "Klapperblechen" gestaltet.
  • Tamira. Ein Drama. Libretto: Johann Ludwig Huber. Textbuch im Verlag Cotta, Tübingen 1791.

Konzertmeister

Nach dem Tod Schubarts, 1791, wurde Zumsteeg zum Leiter der deutschen Oper ernannt. 1792 erhielt er den Titel eines herzoglichen Konzertmeisters. Auf seiner Reise in die Schweiz, im September 1797, war Goethe zu Gast im Zumsteegschen Haus. "Vielleicht gelingt es mir durch eine ernsthafte und bedeutendere Arbeit mit Ihnen in nähere Verbindung zu kommen", versprach ihm Goethe. "Mein Wunsch ist: Ew. Excellenz mögen mir bald etwas grösseres zur Bearbeitung anvertrauen!", lautete Zumsteegs hoffnungsfrohe Replik. Der Wunsch wurde ihm nicht erfüllt. Die neuartige Komposition von Bürgers Ballade "Des Pfarrers Tochter von Taubenhayn" (1790) stieß auf großen Beifall beim Publikum - und machte ihn über die Landesgrenzen hinaus berühmt. Sie erschien 1791 im schon damals berühmten Verlag Breitkopf & Härtel und erlebte nur wenige Jahre später eine zweite Auflage. Nach fast zehnjähriger Bühnenabstinenz komponierte er "Die Geisterinsel" (UA 1798), seine populärste Oper. Sie wurde in Frankfurt, Wien, Leipzig und Königsberg mit Erfolg aufgeführt.

  • Der Junggesell und der Mühlbach. Autograph, September 1797. Text: Johann Wolfgang von Goethe.
    Wenige Tage nach seinem Stuttgarter Besuch übersandte Goethe das Gedicht an Zumsteeg mit folgenden Zeilen: "Vielleicht finden Sie einen Augenblick Zeit beyliegendes kleine Lied durch eine Melodie zu beleben..."
  • Des Pfarrers Tochter von Taubenheyn. Autograph, um 1790. Text: Gottfried August Bürger.
    Die ganz neue Art der musikalischen Darstellung der 1791 bei Breitkopf & Härtel verlegten Ballade fand so grossen Beifall beim Publikum, daß der Verlag bis 1801 fünf weitere Auflagen nachdrucken mußte.
  • Ritter Toggenburg. Autograph, um 1798. Text: Friedrich Schiller.
    Franz Schubert folgte in seiner Vertonung des Schillerschen Gedichts der formalen Anlage Zumsteegs "so sklavisch, ... wie ein Kind eine Zeichnung durchpaust" (Alfred Einstein).
  • Hagars Klage in der Wüste Bersaba. Autograph, um 1797. Text: Clemens August Schücking.
    Diese Ballade zählte - wie auch der "Ritter Toggenburg" zu jenen Kompositionen Zumsteegs, in denen der junge Franz Schubert "tagelang schwelgen" konnte.
  • Die Geisterinsel. Oper in 3 Aufzügen, Text nach Shakespeare's "Der Sturm". Aufführungspartitur, 1798/1889.
    Josephine, Kaiserin von Frankreich, verlangte von Zumsteegs Witwe 1806 die Partitur der Geisterinsel, um sie übersetzen und in Paris aufführen zu lassen. "Bis in die 40er Jahre hinein" wurden die Chöre aus der "Geisterinsel" gesungen, "bald öffentlich, bald in Privathäusern ... jedermann kannte die Ouverture" (Schwäbische Chronik).

Liederkomponist

Im Jahr 1800 veröffentlichte Breitkopf & Härtel das erste von insgesamt sieben Heften der "Kleinen Balladen und Lieder". Diese umfangreiche Sammlung, die auch kommerziell erfolgreich war, sollte seinen Ruhm endgültig festigen. Franz Schubert zeigte sich von den Zumsteegschen Gesängen tief beeindruckt und nahm sich diese bei seinen ersten Liedkompositionen zum Vorbild. Er könne, ließ er verlauten, "tagelang in diesen Liedern schwelgen". Ebenso der berühmte Balladenkomponist Carl Loewe: "Tief ergriff mich die Musik dieses alten, mit Unrecht zurückgestellten Meisters". Über die letzten Stunden vor seinem Tod berichtet der Nekrolog (1802): "In der Nacht am 27. Jänner d. J. fühlte er heftige Brustbeklemmungen, stand auf, gieng im Zimmer auf und nieder, und wollte niemand weken. In der Frühe rief er seiner Gattin entgegen: 'Ich befürchte, sehr krank zu werden.' Plötzlich überfiel ihn bei neuen gewaltigen Brustkrämpfen ein tödlicher Stek= und Schlagfluß. Er starb in den Armen seiner trostlosen Gattin...".

  • Kleine Balladen und Lieder mit Klavierbegleitung, 1. Heft, Leipzig bei Breitkopf & Härtel, 1800.
    Zumsteeg war darauf bedacht, sich in dieser Sammlung mit seinen besten Kompositionen vernehmen zu lassen: "Geld ist mir lieb; meine Reputation noch lieber", schrieb er am 12. November 1800 an seinen Verleger.
  • Büste von Johann Rudolph Zumsteeg, 1802 (Johann Heinrich Dannecker).
    Johann Heinrich Dannecker modellierte 1802 nach der Totenmaske Zumsteegs eine Büste, die in vielen Gipsabgüssen vervielfältigt, zum Besten der Witwe des Verstorbenen von Breitkopf & Härtel verkauft wurde. Als Friedrich Haug eine solche als Geschenk erhielt, bedankte er sich bei Dannecker mit einem Gedicht: "Er ist's! - So blickte mich der Biedermann, / Der Mozart Wirtembergs, mein trauter Zumsteeg an …" [Schiller-Nationalmuseum, Deutsches Literaturarchiv Marbach].

Das Buch zur Ausstellung

Johann Rudolph Zumsteeg (1760-1802) - der andere Mozart? Begleitbuch zu einer Ausstellung in der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart vom 9. Oktober bis 23. November 2002. Mit einem Quellenverzeichnis. Hrsg. von Reiner Nägele. Stuttgart 2002. 159 Seiten, Abb.

Das Buch ist an der Garderobe der Württembergischen Landesbibliothek und über das zum Preis von Euro 15,- erhältlich.


Kontakt

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Dr. Ute Becker
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Letzte Änderung: 09.11.2011   © 2007 WLB
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