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1918: Zwischen Weltkrieg und Revolution

Ein Entscheidungsjahr für Deutschland

Kabinettausstellung in der Württembergischen Landesbibliothek
11. Oktober bis 29. November 2018

Im November 2018 jährt sich das Ende des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal. Das letzte Jahr des Krieges war für die Deutschen gekennzeichnet von Hoffnungen, Enttäuschungen, Niederlage und Revolution. Sah es zu Beginn des Jahres so aus, als könnte Deutschland doch noch gewinnen, zeichnete sich im Laufe des Sommers die drohende Niederlage ab. Im Herbst bat das Deutsche Reich um die Einstellung der Kampfhandlungen. Die Novemberrevolution fegte schließlich die Monarchie hinweg. Nun begann der Kampf um die Grenzen und die Demokratisierung Deutsch­lands – Auseinandersetzungen, die das 20. Jahrhundert bestimmen sollten.

Die Ausstellung „1918: Zwischen Weltkrieg und Revolution. Ein Entscheidungsjahr für Deutschland“ in der Württembergischen Landesbibliothek gibt anhand ihrer teilweise erstmals gezeigten Sammelstücke einen Einblick in die Voraussetzungen, Stimmungen, Wendepunkte und Folgen dieses ereignisvollen Jahres im Deutschen Reich. Zu sehen sind Bücher, Broschüren und Zeitungen, Plakate, Fotografien, Postkarten, Flugblätter und andere Dokumente der Zeit wie auch Materialien, die als Ersatzstoffe dienen mussten.

Den Anfang der Ausstellung bildet die Vorgeschichte des letzten Kriegsjahres: An der Ostfront schwiegen infolge der Russischen Revolution seit Dezember 1917 die Waffen. Viele Deutsche schöpften neuen Mut, dass es doch noch zu einem sieg­rei­chen Ende des Krieges kommen könnte. Im selben Jahr waren jedoch auch die USA auf Seiten der Alliierten in den Krieg eingetreten. Dadurch gerieten das Deutsche Reich und seine Verbündeten im Laufe des Jahres 1918 immer mehr in die Defensive

„Defeat the KAISER and his U-BOATS“. Plakat nach einem Entwurf von Steele, Washington, D.C. 1917.

Angesichts der absehbaren Präsenz von immer mehr amerikanischen Soldaten an der Westfront setzte die Oberste Heeresleitung alles auf einen Karte: Mit den im Osten frei gewordenen Soldaten wollte sie den entscheidenden „Durchbruch“ an der Westfront erzwingen, um den Krieg mit einem „Siegfrieden“ zu beenden. So begann am 21. März 1918 die „Michaelsoffensive“, ein gigantischer Angriff. Zunächst ging es voran, doch schon bald blieb der Vormarsch stecken. Im Sommer formierten sich die Alliierten zum erfolgreichen Gegenschlag, der schließlich die deutsche Niederlage im Herbst einleitete.

Britischer Tank in einem zerstörten Ort an der Westfront.

Währenddessen wurde die Stimmung in der Heimat immer schlechter. Durch eine britische Seeblockade war Deutschland seit Kriegsbeginn 1914 vom Überseehandel abgeschnitten. Die Deutschen erlebten eine harte Zeit des Mangels, der immer größer wurde, je länger der Krieg dauerte. Bei Kriegsende litten große Teile der Bevölkerung an Unterernährung, ca. 800.000 Menschen starben während des Kriegs in Deutschland an Hunger. Die Lebensmittelknappheit wurde für breite Kreise zum beherrschenden Thema.

Rationierungsmarken der Stadt Stuttgart, 1918.

Die Stimmung der Bevölkerung bewegte sich im letzten Kriegsjahr zwischen Durchhaltewillen und Friedenssehnsucht. Die Oberste Heeresleitung vertrat nach wie vor die Position, dass ein Friede nur durch eine erfolgreiche letzte Entschei­dungs­schlacht erreicht werden könne. In aufwendigen Kampagnen wurde an den Durchhaltewillen der Bevölkerung appelliert. Unter weiten Teilen der Arbeiterschaft herrschte jedoch zunehmend Kriegsmüdigkeit und Friedenssehnsucht.

Werbeplakat für die 8. Kriegsanleihe. Nach einem Entwurf von Paul Neumann, 1918.

Ausgehend von Matrosenaufständen in Kiel und Wilhelmshaven verbreitete sich Anfang November 1918 die Revolution über ganz Deutschland. Die kriegsmüde Bevölkerung forderte in zahlreichen Städten ein Ende des Krieges, den Sturz der Monarchie und die Demokratisierung Deutschlands. Alle deutschen Könige und Fürsten beugten sich dem Druck der Straße und dankten ab. In Stuttgart bedroh­ten Revolutionäre das Wilhelmspalais, das heutige Stadtpalais. Daraufhin floh der württembergische König Wilhelm II. in sein Jagdschloss Bebenhausen und verzichtete auf den Thron.

Der Sturm auf das Wilhelmspalais. Lithografie von Otto Schwerdtner.

Die Oberste Heeresleitung räumte am 29. September ein, dass der Krieg verloren sei und verlangte die Aufnahme von Waffenstillstandsverhandlungen. Angesichts der bislang optimistischen Berichte zeigten sich sowohl Reichsleitung wie weite Teile der Bevölkerung überrascht und zutiefst erschüttert. Das am 11. November unterzeichnete Abkommen legte den Deutschen harte Bedingungen auf: Räumung der besetzten Gebiete, Ablieferung der Waffen. Die deutsche Flotte wurde interniert, die britische Seeblockade aber weiterhin aufrechterhalten.

Empfang des württembergischen Grenadierregiments 119 „Königin Olga“ auf dem Stuttgarter Schlossplatz am 19. Dezember 1918. Postkarte, 1918.

Den Abschluss der Ausstellung bildet die umstrittene Erinnerung an das Jahr 1918. Bestärkt durch Politiker und Militärführung, verbreitete sich die Legende, das Heer sei „im Felde unbesiegt“ geblieben. Die Revolution und das Versagen der Heimat wurden als eigentliche Ursache der Niederlage dargestellt. Dies legte schon früh den Grundstein für die spätere „Dolchstoßlegende“, die das politische Klima der Weimarer Republik nachhaltig vergiften sollte. So wirkte das Jahr 1918 noch lange fort. Das traumatische Kriegsende und die erbitterte Auseinandersetzung über den Versailler Vertrag wurden zu einer schweren Belastung für die junge deutsche Demokratie.

Plakat der Schwäbischen Liga zum Schutze deutscher Kultur gegen den Versailler Vertrag, 1919.

Die Ausstellung ist Teil der gemeinsamen Veranstaltungsreihe „1918: Zwischen Weltkrieg und Revolution“ der Württembergischen Landesbibliothek und des Institut français Stuttgart im Rahmen der Französischen Wochen 2018.

Öffnungszeiten:
Montag-Freitag 8-20 Uhr
Samstag 9-13 Uhr
An Sonn- und Feiertagen geschlossen

Führungen nach Vereinbarung: Dr. Christian Westerhoff

Telefon: 0711/212-4515


Öffnungszeiten

Mo-Fr: 8-20 Uhr
Sa: 9-13 Uhr

Schließungstage s. Aktuelles


Kontakt

Ansprechpartnerin:
Dr. Ida Danciu
Tel.: 0711/212-4458


 

 


Letzte Änderung: 09.10.2018   © 2007 WLB
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